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„Was mit den Juden passierte, war vielen gleichgültig“

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10.02.2026

Frau Elasari-Gruß, Sie haben den Brandanschlag auf das jüdische Altenheim am 13. Februar 1970 überlebt. Welche Erinnerung haben Sie an diesen Tag?
Ich war Anfang 20 und für ein Medizinstudium aus Israel nach München gekommen. Es waren gerade Semesterferien, ich büffelte für mein Physikum. Ich saß an jenem Freitagabend mit dünner Jeans und Socken im Schneidersitz auf meinem Bett und lernte, als ich Brandgeruch wahrnahm. Ich machte die Zimmertüre auf, konnte aber kein Feuer entdecken. Also setzte ich mich wieder hin und lernte weiter. Doch wenig später schoss eine Stichflamme durch die Holztür herein, und das Feuer breitete sich rasend schnell aus.

Wie haben Sie reagiert?
Da ich meinen Vater in Israel oft zu Erste-Hilfe-Kursen begleitet hatte – er war beim Magen David Adom tätig – wusste ich, was in so einem Fall zu tun war. Ich legte mir ein nasses Handtuch auf den Mund, um nicht giftige Dämpfe einzuatmen, und schloss die Fenster. Doch als das Feuer immer näher kam, beschloss ich, aus dem Fenster auf das Mansardendach zu steigen. Dort lag noch Schnee, der aber wegen der Hitze schnell abtaute. Ich konnte mich irgendwie zur ausgefahrenen Drehleiter der Feuerwehr hangeln. Ein Feuerwehrmann brachte mich dann nach unten. Ich kann von Glück sagen, dass ich damals so kräftig und sportlich war, sonst hätte ich das nicht überlebt. Ich bin die ganze Zeit ruhig geblieben.

Waren Sie die Einzige, die sich aus den oberen Stockwerken des Gebäudes retten konnte?
Neben mir, auf der anderen Seite, wohnte ein junges........

© Juedische Allgemeine