Wenn Elefanten Synagogen tragen
09. Juni 2026 – 24. Siwan 5786
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Wenn Elefanten Synagogen tragen
In der kleinen Stadt sind die beiden einzigen erhaltenen Werke des Synagogenmalers Elieser Sussmann zu sehen – Paneele aus der Betstube von Unterlimpurg und der Frauenschul von Steinbach
Wer zu den Tieren möchte, zum Hirsch, der zu einem mächtigen Sprung ansetzt, zu den drei Hasen, zu Löwe, Stier, Fisch oder auch zum schwarzen Hahn, der muss zunächst die Sukka links liegen lassen. Die Laubhütte aus Fichtenholz wurde 1882 in Öhringen gezimmert, auch sie ist heute ein wichtiges Zeugnis jüdischen Lebens im Südwesten Deutschlands. Ohne Zweifel.
Und doch ist das Ensemble im Hällisch-Fränkischen Museum (HFM) in Schwäbisch Hall kaum mehr als die Vorgruppe für den eigentlichen Star der Sammlung »Jüdisches Leben«.
Der anschließende Raum der einstigen Stadtmühle, in der ein Teil des Hauses residiert, ist hell und luftig gestaltet. Er beherbergt einen (nicht nur) kunsthistorischen Schatz: die Unterlimpurger Betstube aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
In ihrem Innern ist die Unterlimpurger Synagoge ein Meer aus Blüten und Ranken, Flechten und Blättern.
In ihrem Innern ist die Unterlimpurger Synagoge ein Meer aus Blüten und Ranken, Flechten und Blättern.
Nüchtern betrachtet ist es ein Zimmerchen, von dessen Holzvertäfelung rund 60 Paneelen sowie ein Teil der Leisten erhalten sind, mit denen die Tafeln gefasst wurden. Zurechtgesägt hat man sie aus dem Holz der Nadelbäume, wie sie in den Hügeln rund um die Stadt noch immer wachsen. Jedes Brett ist zwei bis drei Zentimeter stark – und intensiv bemalt.
Darauf hoppeln also Hasen, da trägt ein Elefant eine Synagoge auf dem Rücken, dort scheint ein Einhorn zu lächeln, hier knabbert ein Eichhörnchen an einer Nuss, und diese Eule schaut mit großen Augen von der Decke herab. Die Tiere sind platziert in einem organisch, doch symmetrisch angeordneten Bouquet aus floralen Motiven.
In ihrem Innern ist die Unterlimpurger Synagoge tatsächlich ein Meer aus Blüten und Ranken, Flechten und Blättern. Im oberen Drittel der Wände sowie auf den Deckenbalken durchbrechen Gebetstexte auf Hebräisch dieses Schauspiel, das in kräftigen, warmen Farben gemalt ist. Rot- und Blautöne dominieren die Bilder, dazwischen blitzt zartes Grün auf. Konturen sind oft mit schwarzem, dünnem Strich herausgearbeitet.Auf einer der Holztafeln ist zu lesen: »Wurde geschrieben im Jahre 5499«. Damit lässt sich die hinreißende Pracht auf die Jahre 1738-39 datieren. Geschaffen hat sie der Synagogenmaler Elieser Sussmann, dessen Vorname manche Zeitgenossen »Eliezer« schrieben.
»Die Unterlimpurger Synagogenvertäfelung ist ein Kunstwerk von internationalem Rang und eines der bedeutendsten Exponate unseres Hauses«, sagt Dinah........
