Kaiserschnitt im Parkhaus
15. März 2026 – 26. Adar 5786
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Kaiserschnitt im Parkhaus
Aufgrund der Raketenangriffe aus dem Iran haben israelische Krankenhäuser sämtliche Patienten in unterirdische Bereiche verlegt – und das innerhalb weniger Stunden
Es dauerte nur fünf Stunden. So lange hatte es gebraucht, um sämtliche Patienten des riesigen Medizinzentrums in den Untergrund zu verlegen, als die ersten Sirenen vor den Raketen aus dem Iran warnten – ein weltweit wahrscheinlich einmaliger Umzug im Rekordtempo. Das Ichilov-Krankenhaus, auch Sourasky genannt, ist nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern ein ganzer Campus im Herzen der Großstadt Tel Aviv.
Hier, wo einige Tage zuvor noch Autos und Motorräder parkten, stehen nun Krankenbetten in langen Reihen, Monitore blinken, Infusionspumpen summen. Ärzte gehen hastig zwischen den Betten entlang, Pflegekräfte schieben Wagen mit Medikamenten durch die Gänge. Verkehrsschilder erinnern daran, wo man sich eigentlich befindet. Zwischen massiven Betonpfeilern und Parkmarkierungen ist ein provisorisches Krankenhaus entstanden, das rund um die Uhr im Betrieb ist.
»Wir sind hier zwei Ebenen unter der Erde«, sagt Daniel Trotzky, stellvertretender Direktor des Krankenhauses und Leiter der Notfallmedizin. »Dieser Bereich ist raketengeschützt, und hier werden wir uns aufhalten, bis der Krieg vorbei ist.« Der große Vorteil: Wenn die Sirenen losgehen, muss niemand mehr in Sicherheitsräume gebracht werden. »Alle sind bereits gut geschützt.«
Seit Beginn des Krieges gegen den Iran arbeitet die Klinik praktisch vollständig im Untergrund
Seit Beginn des Krieges gegen den Iran am 28. Februar arbeitet die Klinik mit sämtlichen Abteilungen praktisch vollständig im Untergrund. Rund 600 Patienten werden derzeit hier versorgt. »Wir sind wahrscheinlich eines der ersten Krankenhäuser der modernen Geschichte, in dem sich alle stationären Patienten gleichzeitig in einem unterirdischen, raketengeschützten Bereich befinden«, so Trotzky. Für ein medizinisches Zentrum dieser Größe sei das eine logistische Operation, die normalerweise Wochen der Vorbereitung erfordern würde.
Der Libanonkrieg 2006 zeigte, wie verletzlich medizinische Einrichtungen sind.
Der Libanonkrieg 2006 zeigte, wie verletzlich medizinische Einrichtungen sind.
Es ist eine Meisterleistung, die er und sein Team vollbracht haben: Als am Samstagmorgen gegen acht Uhr der erste Alarm schrillte, begann der Wettlauf gegen die Zeit. Innerhalb kürzester Zeit musste das gesamte Krankenhaus verlegt werden. Hunderte Patienten wurden mehrere Stockwerke tief in den Untergrund transportiert: Intensivpatienten, frisch Operierte, ältere Menschen, Frühgeborene in Brutkästen. Jeder Transport musste exakt koordiniert werden. Aufzüge fuhren pausenlos zwischen den Etagen, begleitet von Ärzten, Pflegern und Technikern.
Die Abteilungen befinden sich nun alle in der mehrstöckigen unterirdischen Parkgarage des Krankenhauses. Manche Parklinien verlaufen zwischen den Betten, als........
