Bombentalent und schäbiger Charakter
21. Juli 2026 – 7. Aw 5786
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Bombentalent und schäbiger Charakter
150 Jahre Bayreuther Festspiele: Warum Gespräche über den Judenhass Richard Wagners immer noch notwendig sind
Bayreuth. 15 Jahre bin ich auf den Hügel gereist mit immer der gleichen Gefühlsmelange: Vorfreude und Abwehr. Die pure Ambivalenz.Wagnerexegeten, Wagnerapologeten und Wagnerhasser, Historiker und Publizisten haben widerstreitende Positionen und Skandale in den vergangenen 150 Jahren ausreichend diskutiert und beschrieben.
Der neueste Eklat, die Einladung, Ausladung und Wiedereinladung Michel Friedmans als Redner zum Jubiläum reiht sich ein in jene heiklen und oft beschämenden Aufgeregtheiten, die allsommerlich das einzige international beachtete deutsche Musikfestival in der fränkischen Kleinstadt bis heute begleiten.
Die vier Wochen ab der Eröffnung an diesem Freitag umgeben rauschhafte Leidenschaft und fundamentale Ablehnung. Welttheater und Spießertum. Merkel und Gottschalk, Mammon und Plüsch, ischiasfeindliche Stuhllehnen, fettige Würstchen, klebrige Sektkelche und überirdische Musik.
Bayreuth, der reine Widerspruch
Bayreuth, der reine Widerspruch: Ausgerechnet ein jüdischer Dirigent, sein zu Richard Wagners Leidwesen ungetaufter enger Mitarbeiter Hermann Levi, leitet die Uraufführung des Parsifal.
Ein halbes Jahrhundert später kuschelt Weltenzerstörer Hitler mit Winifred, der einzigen Schwiegertochter des Komponisten. Bei ihr quartiert er sich sogar ein. Diese widerwärtige Nazisse erklärt später in einem Film, sie hätte ihren damaligen Heilsbringer auch Jahrzehnte nach der Schoa gern freudig begrüßt im Hause Wahnfried. Die Familie Wagner herrscht seit anderthalb Jahrhunderten, meist zerstritten, über Kunst, Kartenkontingente und, deutlich eingeschränkt, über die knappen Finanzen der Festspiele.
Wehrmachtssoldaten, Frontkämpfer und stramme Nationalsozialisten hatten während des Krieges die Festspiele umsonst besuchen können, die Stimmen jüdischer Weltstars allerdings waren längst verstummt.Und dann der Gründer! Warum hat ausgerechnet dieser »schnupfende Gnom aus Sachsen mit dem Bombentalent und dem schäbigen Charakter« (Thomas Mann) so hinreißende, ergreifende, verstörende, opulente, sogar zarte Musik komponiert?
Warum hat Wagner derart........
