menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Nach der Wahl in Baden-Württemberg: Sozialdemokraten, wacht auf!

13 0
09.03.2026

Nach der Wahl in Baden-Württemberg: Sozialdemokraten, wacht auf!

Stand: 09.03.2026, 16:13 Uhr

Von: Tatjana Coerschulte

KommentareDruckenTeilen(function(a,b){if(a.navigator.canShare){var c=b.querySelector(".idjs-webshareAction"),d=JSON.parse(a.ippen.b64DecodeUnicode(" eyJ0aXRsZSI6Ik5hY2ggZGVyIFdhaGwgaW4gQmFkZW4tV8O8cnR0ZW1iZXJnOiBTb3ppYWxkZW1va3JhdGVuLCB3YWNodCBhdWYhIiwidGV4dCI6IkJhZGVuLVfDvHJ0dGVtYmVyZy1MYW5kdGFnc3dhaGwtRXJnZWJuaXNzZS1TUEQtQnVuZGVzcmVnaWVydW5nLXNjaHdhcnotcm90ZS1Lb2FsaXRpb24tQ2VtLcOWemRlbWlyIiwidXJsIjoiaHR0cHM6Ly93d3cuZnIuZGUvbWVpbnVuZy9rb21tZW50YXJlL25hY2gtZGVyLXdhaGwtaW4tYmFkZW4td3VlcnR0ZW1iZXJnLXNvemlhbGRlbW9rcmF0ZW4td2FjaHQtYXVmLTk0MjA5MjU2Lmh0bWw/dXRtX3NvdXJjZT1fc2hhcmVkJnV0bV9tZWRpdW09d2VzdCZ1dG1fY2FtcGFpZ249aW50ZXJhY3Rpb25iYXIifQ=="));c&&a.navigator.canShare(d)&&(c.style.display="",c.addEventListener("click",b=>{b.preventDefault(),a.setTimeout(function(){a.navigator.share(d)},0)}))}})(window,document);

Das Desaster der SPD ist hausgemacht. Statt zu beschönigen, sollte sie der Realität ins Auge sehen und handeln.

Vielleicht hätten sie am Sonntag in der SPD-Zentrale noch etwas warten sollen. Gut eine halbe Stunde, bevor erste Hochrechnungen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg öffentlich wurden, postete die Partei in sozialen Netzwerken einen Dank an ihre Wahlkampfhelferinnen und -helfer. Deren Engagement habe gezeigt, „was unsere Partei ausmacht“, hieß es da: „Zusammenhalt, Leidenschaft und der feste Wille, unser Land besser zu machen.“ Leidenschaft? Wo war die? „Fester Wille“? Nicht zu erkennen.

Der SPD fehlt es an Biss, Courage und Ausstrahlung. Ihr Desaster im Südwesten ist nicht durch das Wettrennen von CDU und Grünen oder durch die AfD verursacht worden. Dieses Debakel ist hausgemacht. Der Post vom Sonntag ist ein bezeichnendes Beispiel für den eklatanten Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Es gelingt dem aktuellen Personal der SPD nicht, die großartige Botschaft dieser Partei von sozialer Gerechtigkeit und einer offenen Gesellschaft rüberzubringen.

Wie soll das auch funktionieren, wenn die Bundesebene wie gelähmt im Willy-Brandt-Haus steht, Pragmatismus bis zur Selbstverleugnung betreibt und das als Konzept verkauft? Auf Landes- und lokaler Ebene ist es auch nicht zu schaffen, wenn Sozialdemokraten nicht sichtbar sind oder aber allzu althergebracht-beratungsresistent daherkommen.

Neue Wählerschaften spricht das erwiesenermaßen nicht an, und junge erst recht nicht. Da müsste die SPD im Übrigen auch im Digitalen etwas schneller unterwegs sein, als einmal die Woche einen Post abzusetzen. Vor der Kommunalwahl in Hessen ist von Dörfern zu hören, in denen die SPD nicht mehr Leute findet, um ihre Wahllisten zu füllen – und das im traditionell „roten“ Nordhessen.

In Baden-Württemberg, dem Stammland der IG Metall, hat die SPD um die Jahrtausendwende 30 Prozent und mehr geholt. Danach ging es bergab – da gab es die AfD noch nicht, und Manuel Hagel ging noch zur Schule. Die Abwärtsspirale, welche die Partei seitdem im Südwesten erlebt, dreht sich heute knapp vor dem Exitus. Sie nimmt vorweg, was auf die Sozialdemokratie im Bund zukommen könnte, wenn sie nicht endlich aufwacht. Sie sollte aufhören, sich Wahlpleiten schönzureden und ihre Leute zu beruhigen, denn sonst ist das bald eine Friedhofsruhe.

Wenn Alexander Schweitzer in zwei Wochen die Wahl in Rheinland-Pfalz gewinnen sollte, dann, weil er Alexander Schweitzer ist und sich – wie Özdemir – seine Bundespartei vom Leibe gehalten hat. Das birgt Erkenntnisse, welche die SPD ernst nehmen sollte: Es sind Charaktere, die Wahlen gewinnen, und erst in zweiter Linie Grundsatzprogramme.

Die Partei sollte nicht jahrelang an einem Leitbild werkeln, sondern jetzt klären, wofür sie stehen will, wen sie ansprechen will und wer diese Botschaft glaubwürdig – mit Leidenschaft – nach außen tragen könnte. Instrumente, um sichtbarer zu werden, hat sie. Immerhin stellt die SPD den Vizekanzler und Finanzminister sowie die Arbeitsministerin, zwei Schlüsselressorts, um ihrer Botschaft Geltung zu verschaffen. Möglicherweise hat sich der ehrgeizige Lars Klingbeil mit Parteivorsitz und Ministeramt zu viel aufgebürdet? Und Tim Klüssendorf sein Amt als Generalsekretär unterschätzt? Dann wäre es jetzt Zeit für Korrekturen.

Notwendig sind nun klare Schritte. Die Mitte-links-Wählerschaft stimmt nicht mehr für die SPD, sondern für die Grünen, und die Arbeiterschaft für die AfD. Die SPD muss jetzt handeln, sonst ist ihr Platz in der Parteienlandschaft bald endgültig weg. Thema des Tages

Feminismus neu denkenWarum der Feminismus mehr als Gleichberechtigung erreichen muss

Feminismus neu denken

Freiheit und GeschlechtWarum die Freiheit weiblich ist – und trotzdem nie universal war

Freiheit und Geschlecht


© Frankfurter Rundschau