Nachfolge von Steinmeier: Angela Merkel for president
Nachfolge von Steinmeier: Angela Merkel for president
Stand: 18.02.2026, 15:42 Uhr
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Für die Männer der Union wäre die Altkanzlerin im Schloss Bellevue eine Demütigung.
Wer sich gerade wundert über die vielen bizarren Vorschläge, die aus der Union dringen – von der Zahnbehandlung aus der eigenen Tasche bis zur Abschaffung der Teilzeit – muss sich immer vor Augen halten, dass am Wochenende Parteitag ist. Da gilt es, sich und die Seinen in Stellung zu bringen und durch Kompetenz zu profilieren: Wer will den Armen am heftigsten auf die Schnauze hauen? Wer findet für den eigenen Rassismus die elegantesten Euphemismen („Stadtbild“)? Für die Interessen welches Milliardärs soll Deutschland künftig strammstehen? So viele Unionsmitglieder, so unterschiedlich die Antworten auf diese Fragen!
Die Frage, die augenscheinlich am meisten bewegt, ist aber die nach: Angela Merkel. Jawohl, die gar nicht mal so alte Altkanzlerin. Die Jungkanzlerin vielmehr! Jedenfalls schießen die Gerüchte ins Kraut: Merkel will auf dem Parteitag sprechen! Oder nicht? Was wird sie sagen? Wird es nur ein Grußwort? Eine knallharte Abrechnung? Oder wird sie eventuell gar mit Fanfaren ihren Übertritt in die SPD verkünden? Dies alles sind Szenarien, die in der Union derzeit in schweißgetränkten Sakkos durchgespielt werden.
Es wirkt ein bisschen, als käme das Ordnungsamt zum ersten Mal in der Männer-WG vorbei. Oder im Burschenschaftshaus. Jahrelang hat man sich in Testosteron gesuhlt, hat sich gorillamäßig auf die Brust geklopft und sich versichert: Wir sind eine Post-Merkel-CDU, bei uns haben wieder Männer was zu sagen! Schluss mit dem Weichspüler-Konservatismus, weg mit den Samthandschuhen!
Doch allein schon die Möglichkeit, Merkel könne eventuell auch was Kritisches sagen, lässt die Alpha-Männer in der Union plötzlich wie halbe Hemden aussehen. Kann man sie irgendwie ausladen? Vielleicht das Redemanuskript vorher mal sehen? Sie darf aber nicht zu gemein zu Merz sein, das wäre unfair!
Zu allem Überfluss wurde Merkel soeben als mögliche Bundespräsidentin ins Spiel gebracht. Ich finde das eine sehr unterstützenswerte Idee: Die fragile Männlichkeit der CDU, die sich sonst nur vor Parteitagen Bahn bricht, würde so gewissermaßen institutionalisiert. Künftig müsste das Präsidium vor jedem markigen Auftritt schlottern, ob die böse Königin in Schloss Bellevue was dazu sagen, eventuell gar zur Besonnenheit oder, horribile dictu, zum Innehalten mahnen könnte. Für manche wäre der Nervenzusammenbruch nur eine Frage von Monaten.
Eine Bundespräsidentin Merkel wäre auch gesegnet durch den Umstand, dass die Merkel-Jahre im öffentlichen Bewusstsein inzwischen vollständig vom Flor des Vergessens veredelt wurden. Man erinnert sich ja fast schon nostalgisch an diese bleierne Zeit, an eine Politik der toten Hand, bei der manchmal sogar ganz gute Sachen rauskamen, wie die Ehe für alle und das Gebäude-Energie-Gesetz. In der Rückschau scheinen auch die Merkel-Kabinette nicht komplett mit Lobbyist:innen, Egoshootern und Wühltisch-CEOs besetzt, sondern ab und zu auch mit erfahrenen Fachleuten.
Für die Alpha-Männer der Union wäre das die ultimative Demütigung: Von der Frau, die sie gerade erst rituell entsorgt glaubten, bis zur Rente beaufsichtigt zu werden. Schöner kann man die reaktionäre Aufbruchstimmung einer Partei nicht beerdigen.
