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Olympisches Gold für die Natur

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27.02.2026

Olympisches Gold für die Natur

Stand: 27.02.2026, 17:42 Uhr

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Ob Kaiserpinguin, Kabeljau oder Waldfrosch – alle ihre Leistungen sind rekordverdächtig.

Letzten Sonntag endeten die Olympischen Winterspiele. Es gab Freudentränen von Champions und solche der Verzweiflung von den unerwartet früh Ausgeschiedenen und Letztplatzierten. Es gab beeindruckende Leistungen auf Eis und Schnee.

All diese Sportler:innen können Dinge, bei denen wir kläglich scheitern würden und an denen wir uns definitiv nicht versuchen sollten. Triple Cork 1440 oder Switch Backside 1260 sind für uns genauso wenig machbar wie vierfacher Lutz, fehlerfreies Schießen beim Biathlon oder Hatz im Eiskanal.

Aber – kleine Trigger-Warnung – Menschen können solche Höchstleistungen nur dank zahlreicher technischer Hilfsmittel erbringen. Schlittschuhe, Bob oder Snowboard, ohne die sehen wir auf Schnee und Eis ganz schön alt – oder besser gesagt: hilflos aus.

Ganz anders die Tiere der Polarregionen. Die Champions der Kälteverträglichkeit sind Kaiserpinguine. Ganz ohne Funktionswäsche stehen die noch bei minus 65 Grad Celsius auf dem Eis und bebrüten dabei sogar ihr Ei. Sie sind die einzigen Antarktisbewohner, die im Winter brüten. Zu ihrem Kälteschutz trägt das Unterhautfettgewebe zehn Prozent bei. Das Gefieder, mit 15 verschiedenen Federarten, macht 90 Prozent aus. Gut eingeschmiert mit täglich 100 Gramm Fett aus der Bürzeldrüse hält der natürliche Daunenanzug antarktischen Stürmen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern stand! Stürmt es, dann rückt die ganz Kolonie eng zusammen und bildet einen „Kuschelhaufen“ – und der ist eine echte Mannschaftsleistung. Ganz gerecht wird dabei abgewechselt, damit jeder mal drinnen geschützt, oder draußen im Wind steht.

Ganz weit weg vom Verbreitungsgebiet der Pinguine lebt der Arktische Kabeljau. Im Nordpolarmeer zieht dieser Meister des Eisschwimmens im Meerwasser mit Temperaturen von bis zu minus 1,9 Grad erfolgreich seine Bahnen. Das funktioniert dank eines körpereigenen Eiweiß-Frostschutzmittels. Kaum entsteht ein winziges Eiskristall irgendwo in einer Zelle oder dem Blut, binden sich an ihm spezielle Frostschutz-Glykoproteine. Sie verhindern, dass die Eiskristalle wachsen und aus dem Kabeljau so Tiefkühlware wird.

Noch ist Nichtstun nicht olympisch. Wenn man den amerikanischen Waldfrosch ansieht, fragt man sich aber: Warum eigentlich nicht? Fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, bildet sich Eis um die inneren Organe in der Bauchhöhle und zwischen der Haut und den Muskeln der Tiere. Die Augen werden gespenstisch weiß, weil selbst die Linsen gefrieren. Die Leber aber produziert Glukose, die in jede Körperzelle transportiert wird, wo die sirupartige Zuckerlösung das Gefrieren verhindert. So bildet sich Eis um die Außenseiten der Zellen und Organe, während die Bildung von Eis im Inneren der Zellen verhindert wird. Bis zu acht Monate zeigt der Frosch keine Muskelbewegungen, keinen Puls und keine Atmung. Dann beginnt sein Herz zu schlagen und er taut auf. Bis heute ist unbekannt, was das Herz der Frösche nach dieser Erstarrung und Bewegungslosigkeit aus dem Dornröschenschlag weckt.

Bis zu den nächsten Olympischen Spielen können wir uns wieder voll und ganz auf diese und andere Höchstleistungen der Natur konzentrieren.


© Frankfurter Rundschau