Mangelhaft ausgestattete Grundschulen: Grenzen der Belastbarkeit
Mangelhaft ausgestattete Grundschulen: Grenzen der Belastbarkeit
Stand: 15.03.2026, 16:44 Uhr
Von: Franziska Büschelberger
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Vielen Grundschulen fehlen Lehrkräfte, manchen auch saubere Toiletten. Das muss sich ändern.
Rund drei Millionen Kinder besuchen in Deutschland die Grundschule, und ihnen fehlen gut 26.000 Lehrkräfte. An unzähligen Schulen sind die pädagogischen, hygienischen und sicherheitsrechtlichen Zustände katastrophal.
Wer Kinder im Grundschulalter hat, weiß: Unterricht fällt aus. Sport, Musik, Englisch werden Monate bis Jahre nicht angeboten. Klassenzimmer platzen mit über 30 Kindern aus allen Nähten. Unterricht endet oft um 10.40 Uhr, die Hortbetreuung beginnt erst um 14 Uhr. In der Zeit dazwischen: bis zu 60 Kinder auf engstem Raum mit einer Betreuungsperson.
Ein Grund findet sich bei der Einschulung: Schulreife spielt immer seltener eine Rolle. Auch wenn die kindliche Entwicklung noch Zeit bräuchte, greift die Regelung der Schuleingangsphase: für die Klassen 1–2 gibt es drei Jahre Zeit. Das heißt für viele Kinder: sitzenbleiben. An zwei Grundschulen in meinem Umfeld mussten zwölf beziehungsweise 18 Kinder die 1. Klasse wiederholen!
Gleichzeitig werden Kinder beschult, die kein Wort Deutsch sprechen – für sie beginnt Schule ohne jegliche sprachliche Grundlage. Ein Kind zurückzustellen, gleicht einem elterlichen Kampf; oft muss in Kauf genommen werden, dass Kinder ein Jahr unbeschwerte Lebens- und Entwicklungszeit verlieren. Fehlen dann Lehrkräfte, hat individuelle Förderung keinen Platz. Kinder, die nicht ins System passen, werden missverstanden oder übersehen. Sie tragen diese Last, oft still.
Für Familien bedeutet das: Lücken stopfen, Förderung übernehmen, Kinderseelen auffangen – neben Jobs mit vertraglich geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten. Lehrkräfte sind dauerhaft im Improvisationsmodus. Laut dem Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin berichten mehr als 80 Prozent von starken psychischen Belastungen. Burn-out nimmt stetig zu, bis zu ein Drittel verlässt den Lehrberuf innerhalb der ersten fünf Jahre. Die Planstellenbindung verschärft das Problem: Schulen gelten als vollständig besetzt, sobald Planstellen vergeben sind. Fällt eine Lehrkraft länger aus, bleibt die Stelle formal besetzt. Auf dem Papier existiert Personal, in der Praxis fehlt es.
Auch das Lernumfeld ist problematisch: Laut einer Studie des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit gaben 60 Prozent der Schulleitungen an, dass Schultoiletten in desolatem Zustand sind. Räume werden oft nur am Boden gereinigt, und Eltern putzen aus der Not heraus die übrigen Flächen. Diese Zustände sind Ergebnis jahrelanger Fehlplanung. Geburtenzahlen wurden unterschätzt, Studienplätze zu spät erweitert. Und demnächst gehen Tausende weitere Lehrkräfte in den Ruhestand. Inklusion, Sprachförderung, digitale Bildung und Recht auf Ganztagsbetreuung können kaum noch umgesetzt werden.
Deutschland braucht mehr Lehrkräfte, doch das Studium ist veraltet und praxisfern. Viele Lehramtsstudierende berichten, dass sie ein anderes Bild von Studium und Beruf hatten. Bis zu 40 Prozent brechen ab.
Diese Kolumne ist kein Vorwurf gegen Schulen und Lehrpersonal, und die Frage ist auch nicht, wie viele Lehrkräfte brauchen wir. Die entscheidende Frage lautet: Welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft?
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