Die Gleichstellung von Frauen kommt allen zugute
Die Gleichstellung von Frauen kommt allen zugute
Stand: 12.03.2026, 18:01 Uhr
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Frauenrechte geraten unter Druck – jetzt zählt entschlossenes Handeln. Ein Gastbeitrag von EU-Kommissarin Hadja Lahbib.
Ich habe einen Traum. Es ist nicht der Traum von Martin Luther King Jr., sondern mein eigener. Der Traum, dass die Freiheit nicht außer Reichweite meiner Tochter bleibt. Der Traum, dass sie keine Generation überspringt, bevor meine Enkelin von ihr profitieren kann. Der Traum, dass Geschlecht eine Beschreibung ist, aber niemals einengt. Ein Traum, in dem es kein Risikofaktor ist, als Mädchen geboren zu sein. Das ist mein Traum, und ich werde über ihn nicht nur hinter vorgehaltener Hand sprechen, sondern alles dafür tun, ihn Wirklichkeit werden zu lassen.
Der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt, denn wir leben in einer Zeit, in der wir bei den Frauenrechten immer wieder Rückschläge erleiden. Es heißt, wir machen Fortschritte, doch nur allzu oft werden diese Fortschritte als Waffe gegen Frauen und Mädchen eingesetzt. Technologie, die uns verbinden soll, spaltet uns. Online-Bots verstärken Hass. „Deepfakes“ stehlen die Gesichter und Stimmen von Frauen und nehmen ihnen die Würde, so dass Innovation zur Bedrohung wird.
In Politik und Wirtschaft kommen alte Stereotype in neuem Gewand daher. Vorurteile werden nicht mehr lautstark kundgetan, sondern berechnend in Programmcodes versteckt, wo sie still zu Ausgrenzung führen. Je mehr wir in digitalen Echokammern debattieren, umso tiefer geht der Bruch und umso größer wird die Spaltung. Mädchen und Jungen entfernen sich voneinander, Misstrauen ersetzt Verständnis, Polarisierung tritt an die Stelle von Partnerschaft.
Das ist nicht die Zukunft, die uns versprochen wurde. Das ist auch nicht die Zukunft, die ich mir für meine Enkeltochter wünsche.
Als ich vor etwas mehr als einem Jahr mein Amt antrat, habe ich beschlossen, dass Wunschdenken nicht ausreicht. Visionen müssen zu Gesetzen werden, Hoffnung muss sich in Politik niederschlagen und auf Worte müssen Schutzmaßnahmen folgen.
Wir fangen dabei nicht bei null an. Seit der Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter von 2020 hat Europa Versprechen in Fortschritte umgesetzt. Wir haben historische Gesetze verabschiedet, um geschlechtsspezifische Gewalt zu beenden, Lohntransparenz zu gewährleisten, eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu erreichen und die Zahl der Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Dies zeigt, was die EU erreichen kann, wenn wir entschlossen handeln.
2023 sind wir in einem historischen Schritt dem Übereinkommen von Istanbul beigetreten und haben damit deutlich gemacht, dass der Schutz von Frauen nicht nur eine nationale Verantwortung, sondern eine europäische Verpflichtung ist. Im vergangenen Jahr haben ausnahmslos alle Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament die acht Grundprinzipien des Fahrplans für die Frauenrechte gebilligt und sich damit gemeinsam verpflichtet, jede Frau und jedes Mädchen zu schützen, zu stärken und in die Lage zu versetzen, ihr Potenzial voll zu entfalten. Wir sind auf dem richtigen Weg, doch dürfen wir nicht zulassen, dass Fortschritte zu Selbstgefälligkeit führen. Sie dürfen nicht als Vorwand für Untätigkeit dienen. Die noch vorhandenen Lücken können und müssen geschlossen werden, und ich setze mich dafür ein, dass dies geschieht.
GastbeitragWarum Abschottung das Geschäft der Schleuser erst richtig ankurbelt
Erst letzte Woche haben wir die neue Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter vorgestellt. Die Strategie vermittelt einen ungetrübten Blick auf die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Sie befasst sich mit Bedrohungen wie Cybergewalt oder KI-Deepfakes, die immer weiter zunehmen und von denen Frauen und Mädchen unverhältnismäßig stark betroffen sind. Sie setzt sich auch mit den schädlichen Online-Narrativen auseinander, die einen Keil zwischen Jungen und Mädchen treiben, unsere Gesellschaft schwächen und das Vertrauen in unsere Demokratien untergraben.
Unser Ziel ist einfach, aber ehrgeizig. Wir wollen die Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen – online und offline, im Gesundheits- und im Bildungswesen und auch, indem wir die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit von Frauen stärken und dafür sorgen, dass bei Entscheidungen ihre Stimme gehört wird. Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren alle, und um sie zu erreichen, müssen alle an einem Strang ziehen. Männer, Frauen, Jungen, Mädchen – egal welchen Alters, mit welchem Hintergrund, aus welcher Kultur und mit welchem Glauben – sie sind alle gefragt.
Gleichstellung kommt allen zugute. Das geschlechtsspezifische Gefälle bei der Beschäftigung allein kostet die EU jedes Jahr schätzungsweise 390 Mrd. EUR. So bleiben Talente ungenutzt und Innovationschancen werden vertan. Eine solche Ineffizienz kann sich Europa nicht leisten.
Heute wage ich zu hoffen, denn wir tun alles dafür, eine wettbewerbsfähige Union zu schaffen, in der unabhängig vom Geschlecht alle sein können, was sie sein wollen: Wissenschaftlerinnen oder Krankenpfleger, Mathematikerinnen oder Piloten, Unternehmerinnen oder Betreuer, Geschäftsführerinnen oder Politiker. Eine wahre Union der Gleichheit. Als EU-Kommissarin für Gleichberechtigung werde ich dieses Ziel bei allen Entscheidungen, die ich treffe, im Auge behalten.
Der Internationale Tag für die Rechte der Frau ist ein Anlass zum Feiern. Er erinnert uns aber auch daran, dass uns die Frauenrechte nicht in den Schoß gelegt wurden. Sie wurden mit Beharrlichkeit und Solidarität in Europa und darüber hinaus hart erarbeitet. Wir werden dieses Vermächtnis ehren. Wir werden die hart erkämpften Rechte schützen, ins Stocken geratenen Fortschritten neue Impulse verleihen und allen Versuchen, die Uhr zurückzudrehen, standhalten.
Denn unsere Enkeltöchter verdienen mehr als nur einen Traum. Sie verdienen eine Welt, die ihnen fest zur Seite steht.
