Die alte Weltordnung kehrt nicht zurück – neue Allianzen entstehen
Die alte Weltordnung kehrt nicht zurück – neue Allianzen entstehen
Stand: 15.02.2026, 18:09 Uhr
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Die Münchner Sicherheitskonferenz zeigt: Das transatlantische „Wir" ist nicht mehr selbstverständlich. Globale Ordnung muss neu verhandelt werden. Ein Gastbeitrag von Julia Leininger.
Wir bekommen die alte Ordnung nicht zurück“, sagt die dänische Premierministerin Mette Frederiksen. Kaum ein Satz hätte die Grundstimmung der diesjährigen MSC treffender zusammenfassen können.
Doch wer ist dieses „Wir“? Und wer gehört nicht dazu? Die Unschärfe des Begriffs verweist auf die eigentliche Herausforderung. Dass die Welt in Unordnung ist, darin waren sich viele transatlantische Stimmen in München einig. Strittig bleibt jedoch, wie diese Unordnung politisch zu sortieren ist – und mit wem.
Meloni und Guterres setzten abseits der Münchner Sicherheitskonferenz ein Zeichen
Während im Hotel Bayerischer Hofs über westliche Handlungsfähigkeit debattiert wurde, nahm Italiens Premierministerin Giorgia Meloni am parallel stattfindenden Gipfel der Afrikanischen Union in Addis Abeba teil. Auch UN-Generalsekretär António Guterres setzte dort ein Zeichen und warb für eine feste afrikanische Vertretung im Sicherheitsrat. Die Botschaft ist klar: Globale Ordnung wird nicht mehr ausschließlich im transatlantischen Raum verhandelt.
In München setzte sich die westliche Selbstverständigung fort. Welche Prioritäten gelten? Welche Werte tragen noch? Für viele wirkt diese Phase der Neujustierung unübersichtlich. Neue Allianzen entstehen, alte werden neu kalibriert. Das „neue Normale“ bedeutet vorerst strategische Unsicherheit.
Drei Dynamiken prägen dabei die Lage. Erstens: Die normative Grundlage von Allianzen steht wieder im Zentrum. Immer neu muss austariert werden, welche Werte Partnerschaften tragen, und wie sie sich zu nationalen Interessen verhalten. Die Verteidigung staatlicher Souveränität und des Gewaltverbots – die „Basics“ des Völkerrechts – bildete in München einen zentralen Referenzpunkt. Zugleich geht es um Verlässlichkeit und Erwartungssicherheit. Der grönländische Außenminister formulierte es deutlich: Gesucht werden Partner mit demokratischen Werten und berechenbarem Handeln. Doch normative Klarheit entbindet nicht vom Ausgleich mit geoökonomischen Interessen, etwa in der Arktis. Werte und Interessen stehen in einem dauerhaften Spannungsverhältnis.
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Die Rolle des Staates verändert sich: neue Bündnisse und ein wackliges politisches Fundament
Zweitens: Multipolarität zeigt sich nicht nur in konkurrierenden Machtzentren, sondern in variablen Koalitionen entlang einzelner Politikfelder. Klimaallianzen mit einer starken EU, Brasilien oder der DR Kongo sind sicherheitspolitisch ebenso relevant wie Energie- oder Technologiepartnerschaften. Allianzen werden themenspezifischer und interessengeleiteter. Das widerspricht dem Multilateralismus nicht zwangsläufig – verlangt aber strategische Kohärenz in einer fragmentierten Ordnung. Drittens verändert sich die Rolle des Staates selbst. Digitalisierung, ökonomische Interdependenzen und transnationale Netzwerke begrenzen die staatliche Steuerungsfähigkeit. Einzelne Staaten suchen neue Bündnisse, während ihr eigenes politisches Fundament unter Druck steht. Die Polarisierung im Inneren spiegelt sich in der globalen Politik. In Deutschland findet die AfD Unterstützung für Positionen, die mit der US-amerikanischen MAGA-Bewegung resonieren. Das Ringen um internationale Ordnung ist daher auch ein innenpolitisches.
Die Münchner Sicherheitskonferenz hat deutlich gemacht, dass das „Wir“ nicht mehr selbstverständlich ist. Es muss politisch definiert, normativ begründet und gesellschaftlich verankert werden – nach außen wie nach innen. Denn die alte Ordnung kehrt nicht zurück. Eine neue entsteht nicht durch die Macht des Stärkeren, sondern durch Aushandlung: über Werte, Interessen und Identität. Genau darin liegt die strategische Herausforderung unserer Zeit.
