FR-üh dran: Genug ist genug – Frauen treten heute in den Generalstreik
FR-üh dran: Genug ist genug – Frauen treten heute in den Generalstreik
Stand: 09.03.2026, 05:59 Uhr
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Heute wird zum weltweiten Frauen-Generalstreik aufgerufen. Eine Berliner Bewegung ruft Frauen auf, ihre Arbeit niederzulegen. Die Lage im FR-üh dran.
Berlin – FRüh Radar – das steht heute an: Am heutigen Montag (9. März) ruft das Berliner Bündnis „Enough!“ Frauen weltweit dazu auf, die Arbeit niederzulegen – die bezahlte im Büro, in der Fabrik, im Supermarkt, und die unbezahlte zu Hause. Der Frauen-Generalstreik schließt direkt an den Internationalen Frauentag vom gestrigen Sonntag an und ist als globale Aktion angelegt. In Berlin finden die Hauptaktionen am Brandenburger Tor statt, wo Frauen von 10 bis 18 Uhr zusammenkommen.
Zwischen 10 und 12 Uhr gibt es außerdem einen Flashmob unter dem Motto „Das rote Schreien“ an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz. Auch am Bebelplatz ist eine Kundgebung des Töchterkollektivs geplant. Beteiligungen sind weltweit angekündigt – von New York bis Buenos Aires. International wird die Bewegung derzeit von 63 Organisationen unterstützt. Der 9. März wird nach aktuellem Stand von mehr als 1200 Menschen in über 66 Städten weltweit begangen.
FR-üh dran zum Frauen-Generalstreik: Die Ausgangslage
Hinter dem heutigen Streik steht die Berliner Plattform „Enough!!“, die um die Publizistin Adrienne Goehler organisiert ist. Die Initiator:innen haben den 9. März bewusst als Verlängerung des Internationalen Frauentags gewählt: Der Streiktag soll zeigen, dass ein einziger Tag der Solidarität nicht reicht. Geplant ist ein offenes Streikformat: Menschen sitzen, liegen, tanzen, picknicken und verweigern im öffentlichen Raum bewusst Aktivität. „Der Streikmoment besteht darin, nicht zur Verfügung zu stehen – weder für Erwerbsarbeit noch für Sorgearbeit oder gesellschaftliche Erwartungen“, erklärt Goehler.
Denn die Zeiten sind tatsächlich bedrohlich. Weltweit geraten Frauenrechte unter Druck – durch rechtspopulistische Regierungen, durch den Abbau von Gleichstellungspolitik und durch eine gesellschaftliche Stimmung, die feministische Errungenschaften zunehmend infrage stellt. Marie-Florence Mahwera, Geschäftsführerin des Landesfrauenrats Berlin, bringt es auf den Punkt: „Wenn man sich geopolitisch umschaut, wer in welche Positionen gekommen ist – auch demokratisch gewählt –, dann spüren wir einen Rückwärtsgang bei den Errungenschaften, die wir bereits erkämpft hatten“, sagte sie dem Tagesspiegel.
Nastassja Wachsmuth, Geschäftsführerin Kommunikation und Stiftung bei TERRE DES FEMMES, formuliert es noch grundsätzlicher: „Jede Frau hat in ihrem Leben Nachteile durch patriarchale Strukturen erlebt oder männliche Gewalt erfahren. Dagegen muss sich die ganze Gesellschaft wehren“, sagte sie laut frauenrechte.de.
Der Frauen-Generalstreik hat historische Vorbilder. In Island legten 1975 rund 90 Prozent der Frauen beim „Frauenruhetag“ ihre Lohn- und Sorgearbeit nieder. Das Land stand still: Väter standen plötzlich allein vor ihren Kindern. Mama war demonstrieren – für Gleichberechtigung, gleichwertige Bezahlung und eine gerechte Verteilung der Care-Arbeit, wie die Süddeutsche Zeitung beschreibt.
Tiefe historische WurzelnFR-üh dran: Gleichstellung unter Beschuss – Was der Internationale Frauentag 2026 bedeutet
Tiefe historische Wurzeln
Fünf Jahre später wurde Vigdís Finnbogadóttir das erste demokratisch gewählte weibliche Staatsoberhaupt der Welt. Heute gilt Island als Staat mit dem höchsten Maß an Gleichberechtigung weltweit. Auch in Spanien zeigten Frauen 2018 ihre Stärke: Am 8. März gingen dort laut Brot für die Welt über fünf Millionen Menschen auf die Straße. „Gewalt-, Kriegs- und Zerstörungsdynamiken weltweit haben ein Geschlecht – es ist männlich. Der Streik richtet sich gegen diese Machtverhältnisse und gegen Systeme, die auf Dominanz und Ungleichheit beruhen. Wir stehen diesem System nicht mehr zur Verfügung!“, sagte Goehler.
Die Crux beim Frauen-Generalstreik
Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Der heutige Streik ist kein klassischer Arbeitskampf. Er richtet sich nicht gegen einen einzelnen Arbeitgeber oder eine konkrete Tarifverhandlung. Er ist breiter, radikaler – und genau darin liegen seine Stärke wie seine Schwäche zugleich.
Die Organisator:innen fordern, dass Frauen heute sämtliche Arbeit niederlegen: die bezahlte und die unbezahlte. Kein Schulbrot schmieren, kein Aufräumen, kein Einkaufen, keine Kinderbetreuung. Der dezentrale Streik passt sich dabei den unterschiedlichen Lebensrealitäten der Frauen an, wie Brot für die Welt berichtet: Jede kann die Arbeit dort niederlegen, wo sie diese verrichtet – ob am bezahlten Arbeitsplatz oder unbezahlt in Ehe, Familie und Haushalt. Urlaub nehmen, die Mittagspause verlängern, auf Konsum verzichten – alles zählt.
Dabei ist der Streik in Deutschland rechtlich nicht unproblematisch: Politischer Streik gilt hierzulande als unrechtmäßig. Wer aus politischen Gründen der Arbeit fernbleibt, macht sich zwar nicht strafbar, ist aber rechtlich schlechter abgesichert als bei einem gewerkschaftlichen Streik für bessere Arbeitsbedingungen, wie die Süddeutsche Zeitung anmerkt.Was der Streik dennoch leisten kann: Er macht sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt. Care-Arbeit – die Sorgearbeit für Kinder, Eltern, Nachbar:innen – wird gesellschaftlich erwartet, aber kaum entlohnt und selten anerkannt. Wenn sie wegfällt, auch nur für einen Tag, merken alle, wie unverzichtbar sie ist. Und wer sie überwiegend leistet: Frauen.
Hinzu kommt die Dimension der Gewalt. Geschlechtsspezifische Gewalt schüchtert Frauen ein, macht sie klein, torpediert ihr Recht auf Selbstbestimmung, auf der Arbeit, auf politische Partizipation und auf Gleichberechtigung, wie Brot für die Welt festhält. Die Enthüllungen rund um das Epstein-Netzwerk und der Fall Gisele Pelicot haben das Ausmaß dieser Gewalt zuletzt wieder schmerzhaft ins Bewusstsein gerückt. Pelicots Satz – „Die Scham muss die Seiten wechseln!“ – ist zum Motto einer ganzen Bewegung geworden.
FR-üh dran – die Lage am Morgen
In unserer Kolumne informieren wir Sie täglich über den wichtigsten Termin des Tages und bereiten Sie als FR-Leser:in auf die politische Debatte in der Kaffeeküche und am Mittagstisch vor, indem wir die passenden Argumente direkt mitliefern. Lesen Sie hier genau, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.
Sie sind anderer Meinung, Ihnen fehlen Argumente oder Sie haben ein Thema, dem wir uns in der Kolumne annehmen sollen? Dann schreiben Sie uns oder diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter diesem Artikel.
Espresso-Argumente für die Kaffeeküche
Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche:„Frauen haben doch längst Gleichberechtigung – wozu noch ein Streik?“ Gleichberechtigung auf dem Papier ist nicht dasselbe wie Gleichberechtigung im Alltag. Frauen leisten nach wie vor den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit in Familie und Haushalt – Arbeit, die die Gesellschaft am Laufen hält, aber weder entlohnt noch anerkannt wird. Ohne eigenes Einkommen gibt es keine Selbstbestimmung, wie Brot für die Welt betont. Und solange geschlechtsspezifische Gewalt strukturell toleriert wird und Frauen systematisch kleingehalten werden, ist von echter Gleichberechtigung keine Rede.
„Ein Streik bringt doch nichts – das ist doch nur Symbolpolitik.“ Das Gegenteil beweist die Geschichte. Als isländische Frauen 1975 streikten, stand das Land buchstäblich still. Der Protest war der Anfang einer politischen Emanzipationsbewegung, die fünf Jahre später eine Frau ins höchste Staatsamt brachte. Und 2018 in Spanien: Mehr als fünf Millionen Menschen gingen auf die Straße. Symbole, die Systeme ins Wanken bringen, sind keine leere Geste. Zudem entstehen durch solche Aktionen Netzwerke – und politisches Bewusstsein bei Menschen, die sich vorher noch nie engagiert haben, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.
Island, 1975: 90 Prozent der Frauen streiken – und ein Land mit gerade mal 200.000 Einwohner:innen steht buchstäblich still. Fünf Jahre später wird Vigdís Finnbogadóttir das erste demokratisch gewählte weibliche Staatsoberhaupt der Welt. Heute, gut 50 Jahre danach, gilt Island als gleichberechtigstes Land der Welt. Nicht weil jemand nett darum gebeten hat. Vielleicht ist der 9. März 2026 der Moment, an den man sich in 50 Jahren erinnern wird. Oder vielleicht auch nicht. Das hängt davon ab, wie viele heute mitmachen. (fbu)
