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Wie ist es, heute Metzger zu sein?

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23.01.2026

fluter: Martin Oesch, in deiner Graphic Novel „Fleischeslust“ geht es um den Metzger Erwin, der mit seinem Beruf hadert. Du bist selbst Metzger, hast schon als Jugendlicher Kaninchen geschlachtet und 2018 eine Bio-Metzgerei mitgegründet. Was fasziniert dich an Fleisch?

Martin Oesch: Ich bin damit aufgewachsen, meine Eltern haben Tiere gehalten. Fleisch ist für mich ein Lebensmittel, bei dem ich von Anfang an verstanden habe, was es braucht, damit es entsteht: Ein Tier, das muss geboren und großgezogen und gehätschelt und dann eben auch geschlachtet werden. Mich hat die Transformation vom Tier zum Lebensmittel fasziniert, vor allem auch das Konservieren durch Salz und Räuchern.

Wie kamst du auf die Idee, eine Graphic Novel darüber zu schreiben?

Ich wollte Bewusstsein schaffen für die Leute, die Fleisch verarbeiten und Tiere züchten. Weil ich Illustrator bin, war naheliegend, es zu zeichnen.

Du hast alles mit Filzstift gezeichnet, der Comic wirkt selbst ein bisschen fleischig. Wie kamst du auf diesen Stil?

Mir war wichtig, dass ich alles von Hand zeichne. Filzstifte mag ich, weil es etwas vom Fleischschneiden hat, man kann die Striche nicht rückgängig machen. Den Comic habe ich im Neunerraster angelegt, was für die Kacheln in Metzgereiräumen steht und im übertragenen Sinne für Hygiene- und Tierhaltungsvorschriften. Bei Erwins Albträumen war ich dagegen ganz frei, das war die Herausforderung. Ich habe sie nur in ein oder zwei Farben gezeichnet, damit man merkt, jetzt bin ich im Traum, da fehlt etwas von der........

© Fluter