Ein Lebenszeichen des liberalen Amerikas
Kommentar zu den Oscars: Ein Lebenszeichen des liberalen Amerikas
Ein Lebenszeichen des liberalen Amerikas
Beim bekanntesten Filmpreis der Welt stand die Politik meist eher am Rand. Diesmal gab es eine Spitze nach der anderen, viele gegen die Trump-Regierung – und das schien rundum gewollt.
Die glitzernden Oscars waren diesmal politisch. Das mochte die Academy bisher nicht so sehr. An der miesen Weltgesamtlage kam man aber wohl nicht vorbei. Außerdem hat sich die Jury-Gemeinde deutlich vergrößert: mehr Frauen, mehr „people of color“ – diverser, inklusiver, aufgeschlossener.
Für brave Oscars hätte man indes auch andere Filme nominieren und weniger angriffslustige Präsentatoren als Jimmy Kimmel wählen müssen. Viele der Arbeiten nahmen US-Übel in den Fokus. Das Vampirdrama „Blood & Sinners“ behandelt das Thema Rassismus. Der Sechs-Oscars-Sieger „One Battle After Another“ ist ein Film, in dem eine verrückt spielende Regierung Einwanderer in Lager pfercht – bekämpft von einer Gruppe, die Amerika wieder normal machen will.
Sich den Mund zu verbieten, empfiehlt sich auch nicht, wenn die eigene Zukunft nicht die einer Propagandamaschine sein soll. Es ging in einigen Oscar-Reden um Trump’sche Gleichschaltungsversuche von US-Medien und um freiwillige Kotaus. Und immer wieder bezogen sich Redner auf Kinder. Der norwegische Regisseur Joachim Trier forderte, keine Politiker zu wählen, denen Kinder egal seien.
Ein selbstbewusster Tonfall
Da brauchte er die iranische Mädchenschule in Minab gar nicht zu erwähnen, deren angeblich 170 Menschenleben fordernde Bombardierung der US-Präsident mit immer aberwitzigeren Erzählungen dem Iran in die Schuhe zu schieben versuchte.
Nun ist Hollywood für Trump und dessen Anhänger zwar der Pfuhl, aus dem die schändlichste Diffamierung des „besten Präsidenten aller Zeiten“ kommt. Aber der Tonfall der Mahner klang selbstbewusst. Man glaubte, ein Vertrauen auf die Selbstheilungskräfte der US-Demokratie herauszuhören – darauf, dass ein solches Regime nur eine Episode sein kann.
Für die Kinder und gegen die Kriege: Die 98. Oscars waren politisch
KostenpflichtigDie Oscars kommen - welche Filme kann man schon sehen?
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Tatsächlich ist Trump angeschlagen. Und es ist gut, dass auch das liberale Amerika der Filmbranche noch Lebenszeichen sendet.
