Das Ende einer Freundschaft
Weimer und der Kulturkampf: Warum Merz sich vom Kulturstaatsminister trennen muss
Das Ende einer Freundschaft
Wolfram Weimer wollte der große Disruptor sein, der konservative Intellektuelle, auf dem Friedrich Merz seine Kanzlerschaft aufbaut. Was bleibt, sind Trümmer.
In der Kulturpolitik geht es noch mehr als anderswo im Politikbetrieb ums Fingerspitzengefühl. Um die Stimmung. Um den Auftritt. Wolfram Weimer, sollte man meinen, müsste das alles beherrschen. Schließlich tummelt sich der 61-Jährige als Verleger und Chefredakteur schon ziemlich lange auf edlem Parkett.
In der Politik aber ist Weimer ein Neuling. Ins Amt des Kulturstaatsministers gekommen ist er vor allem durch seine Freundschaft mit Kanzler Friedrich Merz. Seit seinem Amtsantritt vergangenes Jahr versucht sich Weimer als konservativer Kulturkämpfer - und als selbstbewusster Europäer. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mahnte er Reformen beim „politisch links geneigten“ ARD und ZDF an und wollte US-amerikanische Tech-Giganten wie Google „dem deutschen Presserecht unterwerfen“.
Da kam nichts weiter - und Weimer stolperte über seine eigene Bedeutungssehnsucht. Am Ende stand eine simple, dreiste Lüge. Weimer sortierte drei linke Buchhandlungen aus, denen die Jury den Deutschen Buchhandlungspreis zuerkannt hatte, und schrieb: Die Jury habe sie nicht berücksichtigt.
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Spätestens damit ist er beim Kulturbetrieb unten durch. Davor stand sein gescheiterter Versuch, die Berlinale-Chefin abzusägen, danach seine Weigerung, der Deutschen Nationalbibliothek einen lange geplanten Erweiterungsbau für ihr Magazin zu finanzieren. Bücher könnten schließlich auch digital gespeichert werden.
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Weimer wollte als der große Disruptor auftreten, als der konservative Denker, den das Land brauche. Am Ende steht nur Selbstüberschätzung und der Verdacht der Selbstbereicherung. Seine „Weimer Media Group“ vermittelte beim „Ludwig-Erhard-Gipfel“ am Tegernsee anscheinend für fünfstellige Summen exklusive Kontakte zu Regierungsmitgliedern.
Friedrich Merz gibt viel auf Freundschaften. Doch in der Politik sind alle Freundschaften endlich. Der Kanzler muss sich von Weimer trennen.
