Buchhandlungspreis: Wolfram Weimer kneift
Deutscher Buchhandlungspreis: Warum Wolfram Weimer sich und den Preis beschädigt
Buchhandlungspreis: Wolfram Weimer kneift
Der Kulturstaatsminister kommt mit politischer Kultur nicht klar - und knickt vor den Rechten ein. Damit beschädigt er die Bücherbranche, aber vor allem sich selbst.
Wolfram Weimer versteckt sich. Anders ist die Absage der öffentlichen Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse nicht zu bewerten. Und der Kulturstaatsminister zeigt mit diesem erneuten Eklat, wie unsouverän er im Feld der politischen Kultur (und erst recht im Minenfeld der politisch aufgeladenen Kultur) agiert.
Es begann mit dem Verlagspreis. Ähnlich wie der Buchhandlungspreis ist er eine jener Auszeichnungen, die eine darbende Branche möglichst breit finanziell unterstützen soll. Beim Verlagspreis wurden 87 Verlage ausgezeichnet, es gab sieben Hauptpreise. Einer davon ging an einen dezidiert antifaschistischen Verlag in Münster. Weimer verteidigte die Verleihung und geriet ins Visier der AfD und rechter Medien wie „Junge Freiheit“ und „Nius“.
Beim Buchhandlungspreis hat die Jury knapp 120 Läden aus 483 Bewerbungen ausgesucht, unter ihnen wird eine Million Euro Preisgeld verteilt.
Weimer ließ beim Buchhandlungspreis nun die Liste der von der Jury ausgewählten Läden nach verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen überprüfen. Dreimal soll es Treffer gegeben haben. Im Verfassungsschutzbericht aber taucht keine der dezidiert linken Buchhandlungen auf.
Weimer strich die drei Buchhandlungen von der Liste. Das war ein Affront gegen die Jury und die Branche gleichermaßen. Dem angekündigten Protest hat Weimer durch seine Absage die Bühne genommen – aber die Lage weiter verschärft. Schon fordert die AfD, den Preis insgesamt auf den Prüfstand zu stellen.
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Weimer lässt Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises absagen
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Weimer ist von Haus aus Verleger – das macht seine Instinktlosigkeit nur noch schlimmer. In seiner Preisrede zum Verlagspreis mahnte er, „dass Kultur, Kunst und Literatur nur in einem freiheitlichen Umfeld gedeihen können“.
Diese Worte fallen jetzt auf ihn zurück. Nicht nur der Buchhandlungspreis ist beschädigt. Der Staatsminister ist es mindestens ebenso sehr.
