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Indien spielt nach eigenen Regeln

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tuesday

U-Boot-Deal mit Deutschland: Indien spielt nach eigenen Regeln

Indien spielt nach eigenen Regeln

Indien ist zu einer geopolitischen Schlüsselmacht aufgestiegen. Doch das Land verfolgt einen eigenständigen Kurs zwischen dem Westen und Russland. Genau darin liegt die Herausforderung für neue Partnerschaften.

Lange wurde Indien als „schlafender Riesen“ gesehen – ein Land am Rand globaler Machtpolitik. Diese Zeit ist vorbei. Indien ist heute das bevölkerungsreichste Land und die größte Demokratie der Welt – und auf dem Weg, zur drittgrößten Volkswirtschaft aufzusteigen. Militärisch gewinnt das Land an Gewicht. Der geplante Milliardenauftrag für U-Boote aus Kiel zeigt, dass Indien längst ein zentraler Akteur auf dem globalen Rüstungsmarkt ist.

Auch Indiens geopolitischer Einfluss wächst. Das Land ist Teil der G20 und der BRICS-Staaten und verfolgt eine Außenpolitik, die sich bewusst nicht eindeutig einem Lager zuordnet. Neu-Delhi setzt auf „strategische Autonomie“ – Kooperation mit westlichen Staaten ebenso wie die Pflege bestehender Beziehungen zu Russland.

Diese Balance macht Indien für den Westen zugleich attraktiv und schwierig. Premierminister Narendra Modi pflegt gute Beziehungen zu den USA und der Europäischen Union, aber auch zu Kremlchef Wladimir Putin. Durch den Kauf von russischem Öl finanziert Indien indirekt Putins völkerrechtswidrigen Krieg in der Ukraine mit – allen westlichen Appellen zum Trotz.

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Signal im Wettbewerb um Indien

Deutschland setzt ebenfalls auf eine engere Partnerschaft mit Indien. Beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Januar vereinbarten beide Seiten eine verstärkte Zusammenarbeit in Sicherheits- und Industriefragen. Der geplante U-Boot-Deal wäre ein sichtbares Ergebnis – und ein Signal im globalen Wettbewerb um Einfluss.

Doch Erwartungen an eine klare politische Ausrichtung Indiens dürften enttäuscht werden. Das Land wird seinen eigenständigen Kurs beibehalten und seine Partnerschaften danach auswählen, was seinen Interessen nutzt. Der Westen muss sich darauf einstellen, dass Indien kein klassischer Verbündeter ist – sondern ein Partner mit eigenen Prioritäten.


© Dresdner Neueste Nachrichten