Die Rückseite des Mondes und die Kehrseite der USA
This is not America“, sang David Bowie im gleichnamigen Song, den er mit der Pat Metheny Group für den Spionagefilm „Der Falke und der Schneemann“ in den 1980er-Jahren geschrieben hatte. „Das ist nicht Amerika“ drückte Desillusion über den Verrat an amerikanischen Werten und den Verlust von Idealen aus. Es wurde zu einem geflügelten Satz, auch gegenteilig verwendet: „Auch das ist Amerika“, um Positives hervorzuheben.
Das alles ist Amerika, könnte man angesichts der geglückten Raummission der Artemis II denken. Wagnisse einzugehen, der Glaube an Fortschritt und Wissenschaft, auch das ist Teil des amerikanischen Traums. Großes zu schaffen, Geschichte zu schreiben, ebenso. „Ein neues Kapitel in der Erforschung unseres himmlischen Nachbarn ist abgeschlossen“, sagte der Nasa-Sprecher im Kontrollzentrum und wer zuschaute, konnte sich einer gewissen Ergriffenheit nicht erwehren. Und auch wer nicht gerührt war, staunte.
So weit von der Erde entfernt wie noch nie
Man habe dank der Wissenschaft gewusst, dass die Erde verletzlich sei, funkte einer der Astronauten aus dem All. Nun habe man den „lebenden Beweis“ dafür gesehen. Dieser Botschaft werden Bilder folgen, aus einer Perspektive, von der kein Mensch die Erde je sah. So weit war der Mensch noch nie von ihr entfernt.
Neue Erkenntnisse werden auch die Sicht auf den Mond verändern – und langfristig wohl auch seine Ruhe stören. Schon für 2028 ist geplant, auf dem Mond zu landen und den Plan voranzutreiben, ihn zu besiedeln. Die Vision, auf dem Mond eine Zwischenstation im All für noch weitere Reisen zu errichten, scheint nicht mehr unerreichbar.
Verschwörungstheorien und Flut an gefälschten Bildern
Die Mission kam zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung die Welt ins Wanken zu bringen scheint. Auch das ist Amerika. Ebenso die Flut an Fake News, die schon während der Reise rund um den Mond deren Wirklichkeit anzweifelten. Mittels künstlicher Intelligenz und dem Erstellen von Deepfakes, die Gesichter, Stimmen und Situationen täuschend echt imitieren, dreht sich die Spirale von Manipulation und Betrug offenbar unaufhaltsam weiter. Fakten sind nichts wert, wenn der Glaube an ihre Echtheit fehlt.
Umso bemerkenswerter ist es, was US-First-Lady Melania Trump widerfahren sein muss. Sie sah sich am Donnerstag zu einem überraschenden Statement genötigt. „Die Lügen, die mich mit dem schändlichen Jeffrey Epstein in Verbindung bringen, müssen heute aufhören“, sagte sie in einer Ansprache aus dem Weißen Haus. „Ich war nie mit Epstein befreundet. Donald und ich wurden von Zeit zu Zeit zu denselben Partys wie Epstein eingeladen, da sich in New York City die gesellschaftlichen Kreise überschneiden“, erklärte sie. Warum jetzt, so ganz ohne Anlass?
Brachten Algorithmen Melania Trump unter Druck?
Offenbar ist die Frau des US-Präsidenten nun selbst Opfer der von ihm politisch geförderten Echo-Räume geworden. Es kursieren Deepfakes, die Melania Trump gemeinsam mit Sexualstraftäter Epstein zeigen. Darüber hinaus gibt es Anhänger der Theorie, wonach Epstein das frühere Model mit Trump bekannt gemacht haben soll. Die Algorithmen sorgen dafür, dass, wer einmal mit solchen Posts in Berührung kommt, immer mehr davon bekommt, und man das Gefühl bekommt, „alle“ würden ebenso damit überschüttet.
Die US-Regierung propagiert ein Rasen auf der Datenautobahn ohne Leitplanken und Regeln. Das rächt sich auch im Iran-Krieg, wo sich in sozialen Medien in den USA die Stimmung gegen Trumps Kurs kehrt. Auch das ist Amerika.
E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.obfuscationcom
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