Bravo, Herr Bäderstadtrat: Erst abschaffen, dann wieder einführen und sich dafür feiern lassen
„Die Rache der Journalisten an den Politikern ist das Archiv“, sagte einst Robert Hochner. Abgesehen davon, dass Rache ein niedriges Motiv ist, hat der 2001 verstorbene ZiB2-Moderator natürlich recht gehabt. Wobei man für die jüngste lustige Episode im Archiv gar nicht allzu weit zurückblättern muss.
Im September 2021 beschloss die Stadt Wien die Abschaffung der Monatskarte für Hallen- und Freibäder. Und führte stattdessen ein deutlich teureres Halbjahresmodell bei den Tickets ein.
Und jetzt? Jetzt verkündet Wiens Bäderstadtrat Jürgen Czernohorszky via Aussendung, dass die Stadt Wien in ihrer unendlichen Güte (nein, das steht so nicht drin, aber so soll es wohl gelesen werden) Monatskarten für Schwimmhalle und Freibad einführen wird. Genau, das Ticket, das man erst vor wenigen Jahren zu Grabe getragen hatte.
Warum nicht „Wir haben einen Fehler gemacht“
Davon ist in der Aussendung natürlich keine Rede. Etwa im Sinne von „wir haben einen Fehler gemacht. Und wir bemühen uns jetzt, diesen Fehler wieder auszubügeln. Sorry, liebe Wienerinnen und Wiener, niemand ist unfehlbar. Also, viel Spaß mit der Monatskarte, die wir jetzt wieder einführen!“
Stattdessen liest es sich so: „Wiens Bäder tragen zur Lebensqualität aller Wienerinnen und Wiener bei. Umso wichtiger ist es, sie zu erhalten und ein attraktives Angebot zu garantieren. Wie etwa mit der neuen Monatskarte, mit der wir künftig allen Gästen Kostenvorteile bieten, ohne sich lang binden zu müssen.“
So richtig es ist, die Monatskarte wieder einzuführen, Applaus braucht sich die Stadt Wien dafür nicht zu erwarten. Und sich für das Ausbügeln eines Fehlers auch noch feiern zu lassen, das darf sich Herr Czernohorszky trotz dieser generösen Aussendung nicht erwarten.
Wiener Bäder führen Monatskarte für Schwimmhallen und Freibäder wieder ein
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