Wer wissen will, warum der „nihilistische Pinguin“ wegläuft, stellt die falsche Frage
Der einsame Pinguin ist auf und davon. In einer Szene aus „Begegnungen am Ende der Welt“, einer Antarktis-Doku von Werner Herzog, löst er sich unvermittelt aus seiner angestammten Herde und watschelt in die eisige Ödnis hinaus – obwohl ihm der Tod dort sicher sei, wie die markante Stimme des deutschen Kultregisseurs im Off konstatiert. „Aber warum?“, schickt Herzog dem Seevogel die Frage aller Fragen hinterher.
Eine mögliche Antwort? Das Tier wollte Ruhm – und kannte die Neigung des Menschen, apartes Verhalten mit Bedeutung aufzuladen. Schon 2007, als Herzogs Film in Kinos lief (und Soziale Medien noch ein relativ junges Phänomen waren), mauserte sich der Pinguin-Clip zu einem Mini-Hit im Internet. Kaum etwas bringt Herzogs Philosophie des Absurden so gut auf den Punkt; nicht von ungefähr ziert ein Standbild des Pinguins aus „Begegnungen am Ende der Welt“ den Umschlag von „Die Zukunft der Wahrheit“ – so heißt das jüngste Buch des Filmemachers, das........
