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Schaut her, was sich eure Söhne im Netz angucken

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21.03.2026

Kommentar zu frauenfeindlichen Influencern: Schaut her, was sich eure Söhne im Netz angucken

Schaut her, was sich eure Söhne im Netz angucken

In der Netflix-Doku „Inside the Manosphere“ begibt sich der Journalist Louis Theroux in den Sumpf frauenfeindlicher Online-Stars. Deren Theorien durchdringen längst auch die deutsche Influencer-Szene. Eltern sind darauf kaum vorbereitet.

Eine Netflix-Doku des britisch-amerikanischen Journalisten Louis Theroux über frauenfeindliche Influencer liefert in diesen Tagen viel Gesprächsstoff. Im privaten Umfeld habe ich mehr als einmal vernommen, wie ratlos Eltern vor dem Phänomen stehen. Viele hatten vor dem Erscheinen des Films noch nie von der sogenannten Manosphere gehört. Einer Mutter zumindest war die gefährliche Ideologie bereits bekannt: Ihr eigener Sohn hatte eines Tages angefangen, ganz ähnlichen Unfug von sich zu geben.

Bei der Manosphere handelt es sich um eine lose Gruppierung bizarrer Online-Gestalten, die nicht nur ein reaktionäres Männlichkeitsbild vertritt, sondern auch versucht, dieses mit Propagandavideos, Livestreams und kostenpflichtigen Coachings an junge Männer heranzutragen. Ihre Kernthese ist, dass Männer in der Gesellschaft wegen des Feminismus benachteiligt würden – gleichzeitig ist ihre Weltanschauung durchtränkt von Frauenhass.

Frauen, so eine der Theorien, seien nicht in der Lage zu logischem Denken und suchten sich ihre Partner nur nach Status, Geld und Genen aus. Die weibliche sexuelle Selbstbestimmung wird als gesellschaftliche Bedrohung dargestellt. Verschwörungserzählungen – etwa die sogenannte Red-Pill-Theorie – behaupten, dass die Gesellschaft systematisch zugunsten von Frauen und zulasten von Männern organisiert sei. Und dass nur derjenige die Wahrheit erkenne, der sich von Konventionen und Feminismus „befreit“.

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Um besser auszusehen, greifen junge Männer zu radikalen Methoden – von gesundheitsschädlichen Substanzen bis hin zu Knochenbrüchen. In den sozialen Medien werden die Fortschritte unter dem Begriff „Looksmaxxing“ dokumentiert. Was wie eine wundersame Subkultur klingt, basiert nicht zuletzt auf einer frauenfeindlichen Ideologie.

Auch in Deutschland angekommen

Bisher ist die Manosphere vor allem ein englischsprachiges Phänomen. In den USA haben Vertreter der Szene Kontakte bis ins Trump-Umfeld – etwa der Hassfluencer Andrew Tate, der als Ikone der Bewegung gilt. Hierzulande gibt es so prominente Vertreter noch nicht. Doch die Narrative durchdringen längst auch die deutsche Online-Szene.

Viele Inhalte wirken auf den ersten Blick harmlos, die Ideologie ist nicht immer gleich erkennbar.

Viele Inhalte wirken auf den ersten Blick harmlos, die Ideologie ist nicht immer gleich erkennbar.

Es gibt dubiose Flirt-Coaches, die auf Tiktok ihr Unwesen treiben, bizarre Lifestyle-, Fitness- und Krypto-Gurus, die auf Instagram und in Podcasts mit dem Ausbruch aus der „Matrix” werben oder jungen Männern überteuerte Kurse anbieten, um dort ihre Männlichkeit wiederzuentdecken. Es gibt reichweitenstarke Youtuber und Twitch-Stars, die in ihren Videos frauenfeindliche Witze reißen, die Unterdrückung des Mannes durch Feministinnen beklagen oder jahrelange Hasskampagnen gegen Frauen fahren. Viele Inhalte wirken auf den ersten Blick harmlos, und die Ideologie ist nicht immer gleich erkennbar.

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Dass bei vielen Eltern erst eine Netflix-Doku ein Bewusstsein für das Problem geschaffen hat, zeigt, wie wenig vorbereitet die Gesellschaft auf das ist, was noch kommen wird. Radikale, reaktionäre Bewegungen bekommen seit Jahren Zulauf, insbesondere bei jungen Männern. Was es jetzt braucht, ist: Aufklärung, Bildungsangebote an Schulen, Regulierung von sozialen Medien. Und: Eltern sollten sich dringend angucken, was ihre Söhne da im Netz konsumieren.


© Die Harke