Deutschland ist zu dick – aber eine Zuckersteuer wird daran nichts ändern
Deutschland ist zu dick – aber die Zuckersteuer von Ministerpräsident Daniel Günther wird daran nichts ändern
Deutschland ist zu dick – aber eine Zuckersteuer wird daran nichts ändern
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will mit einer Zuckersteuer gegen die „Adipositas-Epidemie“ vorgehen. Doch die Lösung für das Problem ist komplexer.
Deutschland ist zu dick: Rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen sind übergewichtig, etwa jeder und jede Vierte ist adipös. Und die Zahl der Betroffenen nimmt zu. Längst sprechen Fachleute von einer „Adipositas-Epidemie“, die immense Kosten für das Gesundheitssystem bedeutet. Mehr als 100 Milliarden Euro bis 2030 - so prognostiziert es die World Obesity Federation.
Schon jetzt steht das deutsche Gesundheitssystem vor großen finanziellen Herausforderungen. Es ist daher richtig, der Entwicklung bei Adipositas etwas entgegenzusetzen. Doch eine Zuckersteuer, wie sie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vorschlägt, löst das Problem nicht.
Getränke enthalten mehr Zucker als empfohlen
Günther will eine Steuer auf gezuckerte Getränke. Dieser Vorschlag tauchte schon in der Vergangenheit immer wieder auf. Doch bisher scheiterte es an der Umsetzung, auch weil ein großer Schaden für die Industrie befürchtet wurde. Dabei ist der Schaden durch Zucker viel größer.
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Coca-Cola, Pepsi, Sprite und Co. sind Zuckerbomben. Eine 0,5-Liter-Flasche Coca-Cola enthält etwa 50 bis 55 Gramm Zucker. Das ist mehr, als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als täglicher Konsum empfohlen wird. Wer zu viel Zucker zu sich nimmt, kann langfristig krank werden. Er kann etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zahnprobleme oder eben Übergewicht entwickeln.
Diese Getränke, die gerade bei jungen Menschen beliebt sind, durch eine Steuer unattraktiv zu machen, fordern Fachgesellschaften seit Langem. Und auch die Rückendeckung der Bevölkerung hätte Günther: In einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Foodwatch haben sich 60 Prozent der Befragten für eine solche Zuckersteuer ausgesprochen. Nur in seiner eigenen Partei findet der Vorschlag des Ministerpräsidenten keinen Anklang: Auf dem CDU-Parteitag wurde er jüngst abgelehnt. Nun soll die Zuckersteuer über den Bundesrat durchgesetzt werden.
Lehren aus Großbritannien
Aber: Mit diesem Fokus auf Getränken führt Günther einen Kampf gegen die Kilos auf Biegen und Brechen, der sich am Ende nicht auszahlen wird. Das zeigen Daten aus Großbritannien, wo es mit der „Soft Drinks Industry Levy“ seit 2018 eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke gibt. Diese Steuer müssen die Hersteller zahlen. Je mehr Zucker in ihren Getränken ist, desto höher fällt die Steuer aus. Dieses Modell will Günther auch für Deutschland.
Zugutehalten kann man diesem Ansatz, dass er dazu geführt hat, dass viele Hersteller den Zuckergehalt ihrer Getränke reduziert haben. Jedoch wurde der fehlende Zucker oftmals durch Süßstoffe ersetzt. Diese Süßstoffe sind nicht unproblematisch: Sie sind dafür bekannt, Heißhunger zu fördern, die Darmflora zu beeinflussen und das Risiko für Diabetes und Übergewicht zu erhöhen. Gesund hat die Zuckersteuer die Getränke also nicht gemacht.
Langfristige Strategien gegen Adipositas
Was sich außerdem in Großbritannien gezeigt hat, ist: Die Zuckersteuer hat zwar den Zuckerkonsum in der Bevölkerung reduziert, aber nicht die Adipositasraten. Im Gegenteil: 2023/24 waren 64,5 Prozent der Erwachsenen adipös – sogar mehr als 2022/23. Die „Adipositas-Epidemie“ wird man mit einer Zuckersteuer nicht bekämpfen können. Denn zuckerhaltige Getränke allein sind nicht das Problem. Es muss sich auch das Essverhalten der Menschen ändern. Eigentlich bräuchte es auch eine Zuckersteuer auf zuckerhaltige Lebensmittel.
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Viel wichtiger ist jedoch: Es braucht mehr Prävention. Zum Beispiel, indem man schon Kinder über eine ausgewogene Ernährung aufklärt. Oder indem man Werbung für ungesunde Lebensmittel einschränkt. Oder durch Bewegungsförderung in der Schule und am Arbeitsplatz. Wer eine Zuckersteuer fordert, sollte auch das im Blick haben.
