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Das Versagen beim Gewaltschutz muss enden

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13.02.2026

Gewalt in Beziehungen bleibt größtenteils unsichtbar – Studie deckt eklatante Lücken auf

Das Versagen beim Gewaltschutz muss enden

Eine neue Dunkelfeldstudie zeigt, dass viel mehr Menschen in Deutschland von Gewalt betroffen sind, als aus den Kriminalstatistiken hervorgeht – besonders von Gewalt in Beziehungen. Deutschland versagt vor allem beim Schutz von Frauen.

Gewalt ist in Deutschland allgegenwärtig, und sie findet vor allem im Verborgenen statt. In der Familie, in der Beziehung. Das Dunkelfeld ist riesig, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Bundeskriminalamts zeigt. Dieses Ergebnis muss ein Weckruf sein: Weniger als fünf Prozent der psychischen und körperlichen Gewalt in Beziehungen und zwischen Ex-Partnern wird zur Anzeige gebracht. Die jedes Jahr vielzitierten Kriminalstatistiken beschreiben deshalb nur einen winzig kleinen Ausschnitt der Realität.

Nicht alles, was als psychische Gewalt empfunden wird, ist auch strafbar. Doch auch viele eindeutig strafbare Gewalttaten bleiben vor Polizei und Justiz verborgen. Das gilt besonders, aber nicht nur für Partnerschaftsgewalt.

Besonders oft von Gewalt betroffen sind - wenig überraschend - Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und queere Menschen.

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Viele schweigen aus Angst, Scham oder weil sie den Partner nicht verlieren wollen. Eine umfangreiche neue Dunkelfeldstudie deckt erschreckende Zahlen zu Gewalt in Familien und Partnerschaften auf.

Diese Schlüsse müssen Politik und Behörden nun ziehen

Politik und Sicherheitsbehörden müssen aus diesen Erkenntnissen zweierlei Schlüsse ziehen: Zum einen müssen Polizeien und Staatsanwaltschaften sich fragen, wie sie die Hürden für Gewaltopfer senken können. Viele Betroffene fühlen sich von den Behörden nicht ausreichend ernst genommen. Außerdem ist ein Gerichtsverfahren – wenn es dazu überhaupt kommt – für Gewaltopfer häufig enorm belastend.

Was es vor allem braucht, sind jedoch Investitionen in Prävention und Opferschutz. Seit langem ist bekannt, dass es in Deutschland zu wenige Frauenhäuser gibt, die betroffenen Frauen und ihren Kindern Zuflucht vor gewalttätigen Partnern bieten. Der Verein der Frauenhauskoordinierung berichtet davon, dass täglich Frauen abgewiesen werden müssen. Ab 2032 soll es nach dem Gewaltschutzgesetz einen Rechtsanspruch auf Beratung und Schutzplätze geben. Damit dieses Gesetz das Papier wert ist, auf das es gedruckt wurde, muss noch viel passieren.

Gewaltschutz ist Kernaufgabe des Staates

Dabei muss klar sein: Der Schutz vor Gewalt ist eine der vordersten Aufgaben des Staates – und nicht bloß „nice to have“, wenn die aktuelle Haushaltslage dem nicht im Wege steht. Eine solide Finanzierung von Beratungsstellen, Frauenhäusern und anderen Einrichtungen ist weniger sichtbar als ein Personalaufbau bei der Polizei. Sie lässt sich auch nicht so plakativ vermarkten. Weniger wichtig ist sie deshalb aber nicht.

Wenn Bund und Länder davor aus Kostengründen zurückschrecken, sind die markigen Worte von Regierungsmitgliedern bei der Vorstellung von Dunkelfeldstudien und Kriminalstatistiken wenig wert.

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Alle sind gefragt – vor allem Männer!

Nicht nur die Politik ist in der Verantwortung, sondern wir alle. Und wie nicht zuletzt die jüngste Studie zeigt: vor allem Männer. Es ist an jedem Einzelnen, nicht nur kein Täter, sondern auch kein Ermöglicher von Gewalt zu werden: Es geht darum, nicht wegzusehen, nicht zu schweigen und in der Erziehung der jungen Generation das Fundament einer gewaltfreieren Gesellschaft zu schaffen.


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