Hass kennt keine Atempause
Hass kennt keine Atempause: Israels Angriffe auf Libanon gefährden Waffenruhe im Iran-Krieg
Hass kennt keine Atempause
Während des Waffenstillstands im Iran verstärkt Israel seine Angriffe auf den Libanon. Das gefährdet die Chancen auf Frieden. Die Kritik der iranischen Führung ist allerdings scheinheilig.
Die Atempause ist doch keine Atempause. Ein Waffenstillstand ist ausgerufen im Iran-Krieg, in den sich Israel und die USA vielleicht mit einem Ziel, aber offenkundig ohne Plan und Strategie gestürzt haben. Das ist schon einmal etwas.
Allerdings lässt sich angesichts der Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten und der wilden Entschlossenheit sowohl der israelischen Regierung als auch der iranischen Machthaber daran zweifeln, ob die Vereinbarung Bestand haben wird. Und selbst bei großem Optimismus bleibt der Krieg in der Region: Die militärische Kraft, die durch die Angriffspause gegen den Iran frei wird, scheint Israel nun gegen den Libanon zu wenden.
Die Bevölkerung des seit Jahrzehnten durch Terrorgruppen, religiöse Eiferer, Bürgerkrieg und Einmischung von Nachbarstaaten geschundenen Kleinstaats, gerade einmal halb so groß wie Hessen, erlebt ein neues Kapitel von Gewalt und Vertreibung. Im Südlibanon ist die israelische Armee bereits vorgerückt, die Hauptstadt Beirut wird bombardiert.
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Wie Sorge dem Groll Nahrung gibt
Was als Kampf gegen die Terrorgruppe Hisbollah bezeichnet wird, kostet auch Zivilisten das Leben oder treibt sie in die Flucht. Es gefährdet den Waffenstillstand im Iran-Krieg. Und es kann einen ganzen Staat ins Wanken bringen, der sich nach Jahren eines Interimsregimes mit einer Präsidentenwahl gerade zu stabilisieren anfing.
So verständlich die Sorge um die Sicherheit Israels ist und so nachvollziehbar der Wunsch, die Bedrohung durch Hisbollah-Attacken aus dem Libanon auszuschalten – durch erneute Besatzung und durch Bomben auf dicht bewohnte Gebiete wird sich das Problem kaum lösen lassen. Der Groll auf Israel, den die Hisbollah zu verbreiten sucht, wird so angefacht.
Die rechtsextremen Expansionisten in Israels Regierung, die ein sehr begehrliches Auge auf Gaza und Westjordanland geworfen haben, lassen sich so verstehen, als würden sie auch Libanon gerne noch ein paar vorher zwangsgeräumte Quadratkilometer abzwacken.
Die Empörung der iranischen Führung allerdings ist dabei mehr als scheinheilig. Die Hisbollah agiert unter ihrer Anfeuerung, mit ihrem Geld und ihren Waffen – mit dem Ziel, Israel zu vernichten. Es ist kein offener Kampf, sondern einer im Schutz von zivilen Einrichtungen. Zivile Opfer, Vertreibung, Leid – all das nimmt die iranische Regierung im Namen des Hasses gleichermaßen in Kauf.
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Vernunft statt Kriegseifer
Bei den Kriegsherren dieses Großkonflikts – und in diesem Fall reicht die männliche Form – gibt es also kein Schwarz und Weiß. Sie werden geeint durch Eifer und Selbstüberhöhung in unterschiedlichen Ausprägungen.
Eine Lösung, die Bestand hat, wird dadurch umso schwieriger. Sie muss dennoch versucht werden.
Alle Staaten sind aufgerufen, auch in diesem Konflikt mit kühler Vernunft dazwischenzugehen.
