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Unternehmen sind für 2026 in Sorge: Die Regierung Merz muss Vertrauen schaffen

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17.02.2026

Ein Viertel von 26 000 befragten Unternehmen – also rund 6500 Betriebe – blickt mit Sorge auf das Jahr 2026. Diese Zahl aus einer DIHK-Umfrage ist mehr als nur eine Momentaufnahme, sie ist Stimmungsindikator für eine Wirtschaft, die sich seit Jahren im Spannungsfeld aus Unsicherheit, Transformation und strukturellem Druck bewegt.

Stephan-Andreas Casdorff ist Editor-at-Large des Tagesspiegels. Er hofft auf wirtschaftlichen Aufschwung – weil die gesamte Gesellschaft davon profitieren würde.

Viele Unternehmen sehen sich weiter mit hohen Energiepreisen konfrontiert, die im internationalen Vergleich die Wettbewerbsfähigkeit belasten. Gleichzeitig steigen Lohnkosten durch Tarifabschlüsse und anhaltenden Fachkräftemangel. Für personalintensive Branchen ist das eine doppelte Herausforderung.

Hinzu kommt die schwache Binnennachfrage. Verbraucher bleiben angesichts globaler Krisen, Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit zurückhaltend. Investitionen werden verschoben, Anschaffungen überdacht. Und im Exportgeschäft – traditionell eine Stärke – gibt es Dämpfer durch Konflikte und Handelsbarrieren, die konjunkturelle Abkühlung nicht zu vergessen.

Zwischen Skepsis und vorsichtigem Optimismus liegt ein schmaler Grat. Die Wirtschaft steht 2026 nicht zwingend vor einem Absturz – aber vor einer Bewährungsprobe.

Zwischen Skepsis und vorsichtigem Optimismus liegt ein schmaler Grat. Die Wirtschaft steht 2026 nicht zwingend vor einem Absturz – aber vor einer Bewährungsprobe.

Stephan-Andreas Casdorff

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der Transformationsdruck. Die Umstellung auf klimaneutrale Produktion, Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle erfordert hohe Investitionen. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen fühlen sich hier oft zwischen regulatorischen Anforderungen und begrenzten finanziellen Spielräumen eingeklemmt. Vorhandene Förderprogramme werden von bürokratischen Hürden und langen Genehmigungsprozessen gebremst.

Dann die politische Dimension. Standortbedingungen, Steuerpolitik, Infrastruktur, Bürokratieabbau – haben Firmen das Gefühl, dass Reformen zu langsam vorankommen oder Rahmenbedingungen unklar bleiben, wirkt sich das unmittelbar auf Investitions- und Beschäftigungsentscheidungen aus. Es wird weniger investiert, eher rationalisiert. Kein guter Ausblick.

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Dass ein Viertel der Unternehmen mit einer Verschlechterung rechnet, bedeutet allerdings auch: Drei Viertel tun es nicht. Zwischen Skepsis und vorsichtigem Optimismus liegt ein schmaler Grat. Die Wirtschaft steht 2026 nicht zwingend vor einem Absturz – aber vor einer Bewährungsprobe.

Erwartungen prägen wirtschaftliche Realität, im Positiven wie im Negativen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, strukturelle Schwächen entschlossen anzugehen und Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Standorts zurückzugewinnen. Entscheidend auch für den Fortbestand der Regierung Merz.


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