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Trump provoziert Europa: Die SPD sollte an Spaniens Seite stehen

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05.03.2026

Europa wird gerade nicht nur getestet, es wird regelrecht provoziert. Dass ausgerechnet ein US-Präsident sich ein europäisches Land herausgreift und es öffentlich unter Druck setzt, ist mehr als eine diplomatische Unhöflichkeit. Es ist ein Stresstest für europäische Solidarität. Den muss nicht nur der Bundeskanzler bestehen.

Stephan-Andreas Casdorff ist Editor-at-Large des Tagesspiegels. Er hält europäische Solidarität für unabdingbar, auch und gerade gegenüber Donald Trump.

Die Frage, ob sich die SPD an die Seite Madrids stellen sollte, ist eigentlich gar keine. Sie sollte. Punkt. Selbst dann, wenn das im Berliner Koordinatensystem bedeutet, sich gegen den Kurs von Friedrich Merz zu positionieren. Warum? Weil Sozialdemokratie ihre größten außenpolitischen Momente nicht im Klein-Klein nationaler Abwägungen, sondern in der großen Geste der Kooperation hatte – von der Entspannungspolitik bis zur europäischen Integration.

Nun kann man argumentieren: Was geht Deutschland ein Streit zwischen Washington und Madrid an? Die Antwort ist so schlicht wie unangenehm. Sehr viel. Trumps Attacke ist kein bilateraler Konflikt. Sie hat Methode. Die Methode lautet: Teile und herrsche.

Gerade weil das transatlantische Verhältnis wichtig ist, darf Europa nicht als Ansammlung einzelner Staaten auftreten, in der jeder für sich zu verhandeln versucht. Dieses Europa wäre schwach.

Gerade weil das transatlantische Verhältnis wichtig ist, darf Europa nicht als Ansammlung einzelner Staaten auftreten, in der jeder für sich zu verhandeln versucht. Dieses Europa wäre schwach.

Stephan-Andreas Casdorff

Da kann auch die SPD nicht einfach abwarten, bis der nächste Verbündete zum Ziel amerikanischer Druckpolitik wird. Heute Spanien, morgen Polen, Italien oder – wer weiß – Deutschland selbst.

Natürlich kann man im politischen Berlin auch diese Einwände hören: Die Beziehungen zu den USA dürften nicht belastet werden. Es müsse strategisch gedacht werden. Das stimmt sogar. Aber gerade deshalb braucht sie manchmal einen klaren Kompass. Dieser Kompass heißt in Europa: Solidarität unter Partnern.

Willy Brandt hatte auch einen spanischen „Enkel“

Nun denkt der Kanzler Machtpolitik in klassischen, atlantischen Kategorien. Das ist legitim. Aber Sozialdemokraten sollten sich davor hüten, diese Perspektive einfach zu übernehmen. Ihre politische DNA ist eine andere. Nicht vergessen: Ihre Ikone Willy Brandt hatte auch einen spanischen „Enkel“, Felipe González.

Gerade weil das transatlantische Verhältnis wichtig ist, darf Europa nicht als Ansammlung einzelner Staaten auftreten, in der jeder für sich zu verhandeln versucht. Dieses Europa wäre schwach. Und Schwäche ist das, was Trump wirklich respektlos macht.

Merz’ Auftritt bei Trump – mehr bei Tagesspiegel Plus

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Die SPD tut also gut daran, sich klar zu positionieren: nicht antiamerikanisch, sondern proeuropäisch. Europa lässt sich eben nicht auseinanderdividieren. Nicht aus Sentimentalität, sondern aus politischer Vernunft.

Manchmal ist Haltung eben die realistischste Form von Außenpolitik.


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