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Verdreckte Hauptstadt: Berlin braucht einen Frühjahrsputz!

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12.03.2026

Schon mal rausgeguckt? Klar, die Frühlingssonne lockt ins Freie, doch auf den Bürgersteigen liegt noch viel Splitt vom rauen Winter und knirscht uns unter den Füßen zu: Feg mich mal weg! Die Berliner Stadtreinigung (BSR) hat frühzeitig angekündigt, alle Überbleibsel des Glatteises erst bis Mitte April wegräumen zu können – denn im extremen Winter hat sie doppelt so viele Personaleinsatzstunden angehäuft wie im Jahr zuvor.

Also lautete der Aufruf der BSR an die Berlinerinnen und Berliner: Fegt selbst Haufen zusammen, wir nehmen die dann mit. Nach drei frühlingshaften Wochen zeigt sich allerdings: Viele Haufen sind es nicht geworden, und manche von denen wurden auch nicht mitgenommen. Viele Menschen kehren nicht mal vor der eigenen Haustür. So wird Berlins Lässigkeit schnell zur Verwahrlosung.

___Der Kommentar zum Nachhören:

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In Hamburg ist gerade der größte Frühjahrsputz Deutschlands zu Ende gegangen. Stadtreinigung und Umweltverwaltung koordinieren bereits seit 29 Jahren die Aktion „Hamburg räumt auf“, bei der gerade wieder mehr als 1500 Initiativen die Hansestadt durchgefegt und aufgehübscht haben. Schulen, Kitas und die Feuerwehr machten mit, Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) reinigten die Gewässer. In zehn Tagen kamen 129 Tonnen Müll zusammen. Berlin könnte diesen Müllberg sicher locker toppen. Aber möchte die Hauptstadt überhaupt ordentlicher werden?

Wenn wieder jemand eine vergilbte Matratze rausstellt mit einem Zettel „Zu Verschenken“, dann ist das schlicht asozial.

Wenn wieder jemand eine vergilbte Matratze rausstellt mit einem Zettel „Zu Verschenken“, dann ist das schlicht asozial.

Robert Ide, Tagesspiegel-Autor

Statt Frühlingsgefühlen sammelt sich auf den Bürgersteigen schon wieder der Sperrmüll. Diana Henniges, Geschäftsführerin der Initiative „Moabit hilft“, beklagt völlig zu Recht: „Man hat den Eindruck, der öffentliche Raum wird einfach aufgegeben, von der Verwaltung wie von manchen Bewohnern gleichermaßen.“ Dabei gibt es für Sperrmüll eigentlich gar keine Ausreden: Trotz Spardrucks finden weiterhin BSR-Kieztage statt, bei denen aussortierte Sachen kostenlos abgegeben werden können.

Über Sachspenden freuen sich auch die Arche in Hellersdorf, die Stadtmission am Hauptbahnhof oder das Gebrauchtwarenkaufhaus „NochMall“ in Reinickendorf. Trotzdem verrümpeln Menschen, die ihre Wohnung entrümpeln, rücksichtslos und ungestraft die Kieze.

Robert Ide schreibt unter anderem die Newsletter „Checkpoint“ und „Im Osten“ sowie Kolumnen über Liebe („Ins Herz“) und die Berlinale.

Auch das Verbot der beliebten „Zu verschenken“-Boxen hat daran nichts geändert. Seit vergangenen Sommer sind sie als illegale Müllentsorgung mit einem Bußgeld bis zu 1500 Euro belegt. Aber auch in diesem Fall fehlt es den Ordnungsämtern offenbar an Personal, das nicht nur falsch parkende Autos kontrolliert. Natürlich sind vom Wind zerfledderte Verschenke-Boxen noch das kleinste Problem in einer zerfleddernden Stadt. Aber spätestens wenn wieder jemand eine vergilbte Matratze rausstellt mit einem Zettel „Zu Verschenken“, dann ist das schlicht asozial.

Weitere Berlin-Kommentare von Robert Ide:

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Nur eine aufgeräumte Stadt ist eine soziale Stadt für alle. Menschen müssen sich in Parks und auf Plätzen erholen und begegnen können, ohne dabei über Haushaltsreste von anderen zu stolpern. Für mehr Sauberkeit aber muss sich das Bewusstsein von uns allen ändern: Was nicht mehr in die Mülltonne passt, gehört nicht auf die Straße, sondern zum Recyclinghof!

Und in der anhaltenden Frühlingssonne kehren am besten alle einmal vor ihrer eigenen Tür. Also: Splitt zusammenfegen! Keine Regale und Matratzen rausstellen! Und wer bald wieder in einem Park grillen möchte, muss danach alles wieder mitnehmen. Eine schöne Stadt ist nicht schwer, wenn wir es uns selbst nicht zu leicht machen.

Jeden Donnerstag ab 6 Uhr kommentiert Robert Ide stadtpolitische Themen bei Simone Panteleit und Team im Berliner Rundfunk 91.4. Im Tagesspiegel finden Sie den Kommentar zum Nachlesen und Nachhören.


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