Im Tagesspiegel vor 80 Jahren: Nazis raus aus Oper und Bezirksamt
Man könne ja auf diese Fachleute nicht verzichten: Diese jahrzehntelang, teils bis heute vorgebrachte Entschuldigung für das Versanden der „Entnazifizierung“ wollte unsere Zeitung frühzeitig abräumen.
Wie denn mit Nazifunktionären, Parteibonzen und Parteigenossen, Mitmachern und Mitläufern umzugehen sei und umgegangen wird, das war vor 80 Jahren Thema vieler Berichte, Analysen und Kommentare sowie nicht zuletzt des „Demokratischen Forums“ mit Zuschriften der Leserinnen und Leser.
Markus Hesselmann hat 30 der 80 Jahre Tagesspiegel-Geschichte als Redakteur miterlebt. Er schaut gern ins Archiv und holt Artikel aus den frühen Jahren unserer Zeitung ans Licht, jetzt auch für diese Kolumne.
„Die Staatsoper wäre nicht mehr leistungsfähig, wenn alle diese Kräfte entlassen würden?“ Am 22. Mai 1946 stellte der Tagesspiegel diese Frage rhetorisch-präventiv, aber offensichtlich auch schon aus Erfahrung. Die Antwort: „Ein solches Argument kann niemals anerkannt werden.“ (Wir zitieren in dieser historischen Kolumne wie immer in der damaligen Rechtschreibung.)
Tagesspiegel am 22. Mai 1946
„Man hat hier und da gehört, die Kunstkammer habe diesem oder jenem Künstler eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt. Der Magistrat hat kürzlich mit Recht entschieden, daß all diese Unbedenklichkeitsbescheinigungen durch das Denazifizierungsgesetz hinfällig geworden sind. Wie wäre es, wenn er das Gesetz nun auch überall zur Anwendung brächte? Die Staatsoper wäre nicht mehr leistungsfähig, wenn alle diese Kräfte entlassen würden? Ein solches Argument kann niemals anerkannt werden. Im Gegenteil: Theater- und Opernleiter hätten beweisen müssen, ob sie imstande sind, auch mit mancher zweiten Garnitur weltstädtische Aufführungen zustande zu bringen. Es ist allerdings bequemer, beide Augen zuzudrücken und sich der ,großen........
