Eine Ode an die Sömmeringhalle: Null Komfort, viel Stimmung und West-Berliner Charme
Die Sömmeringhalle entspricht ziemlich genau dem Gegenteil dessen, was sich Profisportvereine heutzutage von ihren Spielstätten wünschen. Sie ist alt, sie ist unbequem, die Kabinen sind klein, die Toiletten stinken, überall ist grauer Beton, und es gibt keine komfortablen VIP-Bereiche. Peter Fox könnte seine berühmten Zeilen genau hier geschrieben haben, wenn er singt: „Berlin, du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau.“
Julian Graeber hat vor vielen Jahren in der Sömmeringhalle Fußball gespielt, allerdings vor fast leeren Rängen. Er meint: Wenn sie ausverkauft ist, braucht sich die Halle stimmungsmäßig nicht vor den modernen Arenen zu verstecken.
1964 gebaut als damals größte reine Sporthalle West-Berlins, war sie schon Anfang der 90er Jahre, als die Männer von Alba Berlin hier ihre ersten Schritte machten, aus der Zeit gefallen und schnell zu klein. Lange fristete die Sporthalle Charlottenburg, wie sie offiziell heißt, ein eher trauriges Dasein mit unterklassigem Basketball, Jugendturnieren im Fußball und vielen freien Sitzen. Doch seit 2022 spielt das Frauenteam von Alba in der Sömmeringhalle und hat dieser neues Leben eingehaucht.
Am vergangenen Wochenende gewannen die Berlinerinnen vor fast 2400 Fans zum ersten Mal den deutschen Pokal. Albas großartige Kapitänin Lena Gohlisch wurde nach dem dramatischen Finalsieg in der Verlängerung zur wichtigsten Spielerin gewählt, doch auch die Sömmeringhalle hätte nach zwei begeisternden Tagen eine Auszeichnung verdient gehabt.
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„Diese ganz wichtigen Siege in den letzten Jahren haben wir geholt, weil diese Fans hinter uns stehen. Diese Stimmung in der Halle reißt alle, alle, alle mit, und ist etwas ganz Besonderes. Nicht nur für Berlin, sondern für den Frauenbasketball insgesamt“, sagte Albas Marie Bertholdt.
Das Finale am Sonntag gegen Keltern hat erneut eindrucksvoll gezeigt, was für eine Kraft die Symbiose aus einer Mannschaft und dem Publikum entfalten kann. In der Sömmeringhalle saß spätestens im letzten Viertel niemand mehr – und das nicht, weil die dunkelgrünen Metallsitze ohne Rückenlehne so unbequem sind. Es entwickelte sich eine Atmosphäre, wie sie bei Sportveranstaltungen nur ganz selten zu erleben ist.
Nun ist es nicht so, dass in der riesigen Mehrzweckarena in Friedrichshain oder der Max-Schmeling-Halle nie gute Stimmung ist. Doch je größer die Spielstätte, desto größer ist meist auch der Anteil der Besucher, die einfach nur mal gucken wollen. In die Sömmeringhalle mit ihrem angestaubten West-Berliner Charme verlaufen sich Eventzuschauer eher selten. Die Ränge sind voll mit Mädchen, die selbst Basketball spielen und ihre Vorbilder anfeuern, und mit Fans, die wegen des Sports kommen und nicht wegen der Show.
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Doch so faszinierend das Erlebnis in der Sömmeringhalle ist, für ewig wird es dort für Alba nicht weitergehen. Wie einst die Männer werden ihr auch die Frauen irgendwann entwachsen. Berlins Aufgabe als selbsternannte Sportmetropole wird es sein, die Voraussetzungen für eine modernere und größere Spielstätte zu schaffen. Bis dahin können sich Spielerinnen und Fans aber noch auf einige Basketballfeste in der altehrwürdigen Sömmeringhalle freuen.
