menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Kollektives Mitfiebern bei Olympia: Berlin braucht Public Viewing statt Sofa-Spiele!

10 0
18.02.2026

Was für ein dramatischer Montagabend bei Olympia: Erst der Schneefall beim Skispringen, dann Laura Noltes knapp verpasstes Gold im Eiskanal und schließlich das Eiskunstlaufpaar Minerva Hase und Nikita Wolodin, das seine erste olympische Medaille gewann.

Zu gern hätte man die großen Emotionen mit anderen Zuschauenden geteilt und gemeinsam mitgefiebert. Stattdessen saß man auf der Couch vor dem Fernseher und musste die Spannung allein aushalten. Aber warum eigentlich? Bei anderen Großveranstaltungen wie einer Fußball-WM gibt es doch auch Public Viewing – warum also nicht bei den Olympischen Spielen?

Die TV-Quoten sind bei den Winterspielen schließlich überdurchschnittlich gut, insbesondere beim jüngeren Publikum. Das zeigt, dass das Interesse da ist. Überdies trenden Sportarten wie Eiskunstlauf in den sozialen Medien, und Stars wie Ilia Malinin lösen einen regelrechten Hype aus. Die Winterspiele in Italien sind ein echter Magnet, und genau deshalb wäre jetzt der ideale Zeitpunkt, diese Begeisterung auch in Berlin sichtbar zu machen. Schließlich bewirbt sich die Stadt für die Austragung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.

Inga Hofmann leitet die Sportredaktion und schaut Olympia viel lieber in Gesellschaft als alleine.

Die Aufmerksamkeit und Emotionen sind aktuell da – was fehlt, ist die Bühne für dieses Momentum. Und das kann schnell verpuffen, wenn Berlin seine Chance jetzt nicht nutzt. DOSB-Chef Otto Fricke hat diese Idee im Tagesspiegel-Interview selbst geäußert. „Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, mit Public Viewing über die gesamte Stadt verteilt die Begeisterung für Olympia weiter zu entfachen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Den Erfolg von Minerva Hase und Nikita Wolodin hätte man etwa im Sportforum zeigen können, dem Olympiastützpunkt, an dem beide sogar trainieren.

Den Erfolg von Minerva Hase und Nikita Wolodin hätte man etwa im Sportforum zeigen können, dem Olympiastützpunkt, an dem beide sogar trainieren.

Zurzeit dreht sich die Debatte um die Bewerbung vor allem um Kosten, Risiken und mangelhafte Sportstätten. Unter den Berliner Bürgerinnen und Bürgern herrscht viel Skepsis und wenig Euphorie, das zeigen auch die Umfragen. In München ist man da stimmungsmäßig schon weiter. Was es jetzt helfen könnte, sind persönliche Geschichten und Erfolge – und genau die liefern die Winterspiele.

Der Wissenschaftler Stefan Chatrath untersuchte überdies mehrere gescheiterte Olympia-Bewerbungen und stellte dabei fest, dass die Identifikation einer Stadt mit Olympia zentral ist, damit eine Bewerbung erfolgreich ist. Menschen müssen sich mit den Spielen und der Idee dahinter identifizieren, und genau das gelingt beim kollektiven Mitfiebern. Warum also nicht ungewöhnliche Wege gehen, um die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen?

Berlin hat bei Fußballturnieren längst gezeigt, wie gern gemeinsam gejubelt wird. Natürlich steht man bei Olympia im Gegensatz zu einer EM oder WM vor der Herausforderung, dass viele Wettbewerbe parallel laufen. Die eine will Eishockey sehen, der andere Curling, die nächste Rodeln. Aber zumindest einzelne deutsche Höhepunkte ließen sich problemlos übertragen, angesichts der Minusgrade nicht auf einer Fanmeile oder im Biergarten, sondern in sportlichen Locations, Kneipen und Bars.

Lesen Sie jetzt auch:

Den Erfolg von Minerva Hase und Nikita Wolodin, die obendrein Berliner:innen sind, hätte man etwa im Sportforum zeigen können, dem Olympiastützpunkt, an dem beide sogar trainieren. Auch der Landessportbund könnte Wettkämpfe im Horst-Korber-Sportzentrum übertragen und Sportbars, Cafés und Kneipen könnten ebenfalls mitziehen – von der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg bis zur Uber-Eats-Arena am Ostbahnhof. Und wie wäre es mit einem möglichen Eishockey-Halbfinale bei den Eisbären?

Mit Sofa-Spielen entzündet man jedenfalls keinen Funken. Dabei braucht es den, gut ein halbes Jahr vor der Entscheidung des DOSB, so dringend.


© Der Tagesspiegel