565 Euro für eine getragene Hose: Die AS Rom sexualisiert die eigenen Fußballerinnen
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Fußballklubs getragene Trikots ihrer Profis versteigern – bei Männern wie Frauen. Oftmals wollen die Vereine damit Geld für einen guten Zweck erlösen. Bei der AS Rom lief es jedoch anders: Während die Männertrikots wie üblich auf der Plattform „mws.com“ landeten, wurden bei den Frauen plötzlich zusätzlich die getragenen Hosen angeboten.
Das Ergebnis ist bezeichnend. Die Hose der Schweizer Nationalspielerin Alayah Pilgrim erzielte 565 Euro – ein Rekordpreis und ein Vielfaches des Trikotpreises. Dass ausgerechnet diese Kleidungsstücke solche Summen erzielen, hätte der Klub der italienischen Serie A vorhersehen müssen. Die Reaktionen zahlreicher Fans zeigen, wie klar der Verdacht ist: Der Verein dürfte mit der Sexualisierung seiner Spielerinnen gerechnet haben – und hat sie dennoch billigend in Kauf genommen.
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Noch fragwürdiger wirkt die Kampagne mit Blick auf den Anlass: den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November. Statt Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen und zu bekämpfen, trägt die Auktion zur weiteren Sexualisierung der Spielerinnen bei.
Charlotte Bruch ist Sportredakteurin und sieht in der Online-Aktion einen klaren Rückschritt im Kampf um Gleichbehandlung im Fußball.
Es ist keine Neuigkeit, dass Fußballerinnen immer wieder mit Sexismus konfrontiert sind. Lena Oberdorf beklagte schon vor einem Jahr voyeuristische Aufnahmen im Frauenfußball. Spielerinnen wie Pilgrim, Giulia Gwinn oder Alisha Lehmann, die eine riesige Followerschaft auf Social Media haben, müssen regelmäßig betonen, dass sie für ihren Sport wahrgenommen und nicht auf ihr Aussehen reduziert werden wollen.
Derweil ist sich die AS Rom keiner Schuld bewusst: „Viele Vereine versteigern Trikots und Kleidung ihrer Teams, das ist sehr üblich“, hieß es in einer knappen Stellungnahme gegenüber der Schweizer Boulevardzeitung „20 Minuten“. Eine Erklärung, die ignoriert, dass es eben nicht üblich ist, bei den Frauen zusätzlich die Hosen zu verkaufen – und damit genau jene Teile, die besonders sexualisiert werden.
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In einer Zeit, in der Fußballerinnen noch immer um Akzeptanz und Sichtbarkeit kämpfen müssen, ist dieses Vorgehen ein massiver Rückschritt. Statt seine Spielerinnen zu schützen, befeuert der Klub ein System, das sie weiterhin sexualisiert. Denn wer den Kampf gegen Gewalt an Frauen bewirbt und gleichzeitig ihre Körper zu Verkaufsargumenten macht, ist Teil des Problems.
