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Olympia-Kolumne: Abgeschnitten von Cortina

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20.02.2026

Olympia-Kolumne: Abgeschnitten von Cortina

Von Claudio Zanini, Pescul

Die Nervosität ist bereits beim Frühstück zu spüren. Der heftige Schneefall wirbelt den Olympia-Tag durcheinander. Das schreibt unser Sportredaktor Claudio Zanini direkt aus Italien.

Starker Schneefall in Pescul, eine Stunde von Cortina entfernt.

Am Frühstücksbuffet ist die Nervosität etwas grösser als auch schon. «Today, no Cortina», sagt der Hotelbesitzer zum Fotografen aus den USA. Dem Kollegen aus New Mexico ist das egal, er habe ohnehin einen Ruhetag eingeplant. Am Vortag bescherte ihm der Sieg von Mikaela Shiffrin viel Arbeit. Weniger gelassen nimmt es der schreibende Journalist aus Italien. Er schaut aus dem Fenster und schüttelt den Kopf. Draussen schneit es ohne Unterbruch.

Wir befinden uns in Pescul, einem verschlafenen Weiler, umgeben von mehreren Dolomitengruppen, eine Fahrtstunde von Cortina entfernt. Gelandet sind wir hier, weil Pescul ans Cortina-Cluster angeschlossen ist.

Es gibt mehrere solche Cluster. Das mag nach einer Schale voller Frühstücksflocken klingen, ist in Wahrheit aber eine räumliche Bündelung von Wettkampforten und Unterkünften. Alles umspannt mit einem Netz aus Shuttlebussen.

Jeden Tag steigen wir hier in einen Shuttlebus, am äussersten Rand des Clusters, und fahren rein ins Olympiaglück. Immer über den Passo di Falzarego, 2105 Meter über Meer, auf ausgesetzten Strassen, umgeben von schroffem Gebirge. Je nach Wetterlage sind es pittoreske Bilder.

Bevor ich den Frühstücksraum verlasse, sagt mir der Hotelchef in seinem olympischen Esperanto: «The passo is closed.» Heute also keine Falzarego-Fahrt. Die olympische Transport-App meldet zwar lediglich Verspätungen. Aber die olympische Transport-App sollten wir ohnehin mit Bedacht konsumieren.

Man darf sich dabei nicht eine SBB-App vorstellen, bei der um 18.34 ein Zug angekündigt wird – und der in der Regel um 18.34 dasteht. Bei Olympia kommen die Busse grundsätzlich, wenn sie kommen. Mit Prognosen sollte man vorsichtig sein. Diese Woche fragte der Bus-Chauffeur nach der Abfahrt in Cortina, ob irgendjemand wisse, wann sein Bus in Pescul ankommen müsste. Als hätte er innerlich nachgerechnet, ob es vielleicht noch reichen würde, unterwegs die Einkäufe zu erledigen.

An diesem Morgen erreicht uns der Bus nicht. Für einmal sind wir tatsächlich von Cortina abgeschnitten. Die Transport-App meldet, man solle Fahrten mit Autos und Bussen möglichst reduzieren. Die Frequenz werde bis in den Nachmittag hinein gedrosselt. Unser Olympisches Cluster begrenzt sich für einmal auf das Hotelzimmer.

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