Jugend und Kultur? Matcht!
Instagram und TikTok? Check. Snapchat? Sowieso. YouTube? Eh klar. Alles simpel, kurz, bunt. Und praktischerweise am Handy abrufbar: Das ist Kultur im 21. Jahrhundert – wie kleine Fast-Food-Häppchen, digital und immer verfügbar. Für Jugendliche und junge Erwachsene scheinbar ein perfektes, ausreichendes Angebot. Aber das stimmt nicht ganz, denn Oper, Theater, Kunst und Literatur haben bei ihnen noch nicht ausgedient. Auch wenn die ältere Generation das gern behauptet und den Werteverlust in Sachen Kultur bejammert.
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Um Jugendlichen und jungen Erwachsenen klassische Kunst und Kultur schmackhaft zu machen, haben viele kulturelle Institutionen spezielle Angebote für sie im Programm. Und diese werden auch angenommen, wie die Zahlen beweisen: An der Wiener Staatsoper beispielsweise sind knapp 16.000 junge Menschen im U27-Programm registriert. Im NEST, das ist die Spielstätte für Kinder, Jugendliche und Familien der Staatsoper, lag die Auslastung der Sitzplätze in der Saison 2024/25 bei 92,12 Prozent. Und im Theater der Jugend betrug die Gesamtauslastung 2024/25 rund 96 Prozent und mehr als 29.000 Abonnent:innen. Das klingt nicht nach einer Generation, die sich von Kunst und Kultur verabschiedet hat, sondern nach einer, die kommt, wenn man sie als Publikum ernst nimmt.
Bücher lesen ist trendy
Die Frage ist also nicht, ob sich junge Menschen für Kultur interessieren; wer in die Oper, ins Theater, ins Museum oder zu einer Tanzperformance geht, sieht, dass sie es tun. Spannender ist, warum Erwachsene unbedingt am Gegenbild festhalten wollen, warum das Klischee von der kulturfernen Jugend so unverrückbar bleibt, obwohl es sichtbar bröckelt. Das trifft auch auf die Literatur zu: „Die Jungen lesen ja gar nicht mehr“, hört man immer wieder. Ich möchte dann manchmal gern fragen, ob denn die Erwachsenen so viel lesen … aber wie auch immer: Im vergangenen November fand die Wiener Buchmesse erstmals in zwei Hallen statt – und die zweite Halle war ausschließlich New-Adult-Literatur gewidmet. Zur Überraschung vieler war sie an jedem einzelnen Tag........
