Bikini oder Badeanzug: Mehr als nur eine Stofffrage
Im Wiener Gänsehäufel riecht der Sommer nach Sonnencreme, Pommesfett, warmem Beton und ein bisschen nach Chlor, obwohl die Donau gleich daneben liegt. Nach aufgeheiztem Plastik, Vanilleeis und Gelsenspray.
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Dazu kommt die Geräuschkulisse: Kinder, die im Abstand von drei Minuten ihren Eltern ein „Schau!“ zubrüllen, bevor sie ins Wasser hechten. Menschen, die mit der Ernsthaftigkeit von Grenzbeamten ihre Liegewiesenparzelle verteidigen. Und irgendwo zwischen schattigem Kastanienbaum, Handy am Bauch und der Frage, ob die Wespe jetzt wirklich genau auf dieser Marillenpalatschinke landen will, taucht plötzlich eine Frage in meinem Kopf auf: Bikini oder Badeanzug?
Die große kleine Stofffrage
Das klingt nach einer Entscheidung, die man bereits vor dem Kleiderkasten getroffen haben könnte. Habe ich aber nicht. Zwei Teile oder eins? Mehr ist es ja eigentlich nicht. Ein bisschen Lycra, ein paar Träger, ein Verschluss, der im entscheidenden Moment, nämlich auf der Schwimmbad-Toilette (Igitt), nur mit Yoga-Ausbildung zu öffnen ist. Aber im Bad wird aus dieser kleinen Textilfrage erstaunlich schnell eine Gebrauchsanweisung für den ganzen Tag.
Der Badeanzug sagt: Spring‘ rein! Schwimm‘! Tauch‘ unter! Rutsch‘ mit dem Kind zehnmal dieselbe Rutsche hinunter! Dreh‘ dich im Wasser auf den Rücken und schau in den Himmel, ohne vorher zu überprüfen, ob noch alles dort ist, wo es vor dem Köpfler war. Der Bikini sagt: Leg‘ dich hin! Dreh‘ dich um! Zieh‘ kurz am Träger! Zupf‘ kurz am Höschen! Setz‘ dich so, dass nichts einschneidet! Steh‘ so auf, dass dir nichts rausrutschen kann!
Gebrauchsanweisung aus Lycra
Natürlich stimmt das nicht immer. Es gibt Bikinis, in denen man vom Zehnmeterbrett........
