Europa leidet unter Dürre
August 2024 im Weinort Perchtoldsdorf, südlich von Wien. Es ist kurz nach sechs Uhr morgens, als in den biologisch bewirtschafteten Weingärten der Familie Barbach die Weinlese startet. Nach und nach ernten sie die Trauben mit der Hand. Die Sonne steht noch tief, doch die Luft ist bereits warm. Bis Mittag muss die Arbeit erledigt sein, danach werden die Temperaturen für die Verarbeitung des Traubenguts zu hoch.
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Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre eine Weinlese im August undenkbar gewesen. Denn damals begann die Ernte erst Mitte Oktober. Heute werden Saisonen wie jene im Jahr 2024 immer häufiger. Zunehmende Hitze und Trockenheit zwingen die Winzer:innen zum Umdenken. „Seit meiner Matura bei der Weinbauschule 1988 hat sich klimatechnisch sehr viel verändert“, erzählt Katharina Prüfert-Barbach im WZ-Interview.
Sie leitet gemeinsam mit ihrem Mann den Familienbetrieb, der auch einen Buschenschank umfasst. Was damals als förderlich für den Weinbau galt, hat sich heute teilweise umgekehrt: „Damit die Trauben reif werden, haben wir viel ausgedünnt und entblättert. Heute versuchen wir, die Blätter zu belassen, um eine Beschattung zu bewirken“, erklärt die Winzerin.
Wo Europa austrocknet
Mit den klimabedingten Herausforderungen ist die Familie Barbach nicht allein. Waldbrände, Ernteausfälle und eine Gefährdung der Gesundheit – europaweit litten zwei Drittel der Regionen seit 2012 unter Dürre. Das zeigen Daten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, welche Correctiv.Europe gemeinsam mit der WZ ausgewertet hat.
Besonders prekär ist die Lage derzeit in südöstlichen Ländern wie Albanien, Nordmazedonien und Serbien. Aber auch in nördlicheren Ländern wie Polen und Litauen sind die Böden gerade besonders trocken.
In den Alpenregionen verschärfen milde Winter mit wenig Schnee die Situation, da dort das Schmelzwasser fehlt. Aber auch bei langanhaltendem Frost im hohen Norden kann der gefrorene Boden kaum Wasser aufnehmen.
Für Lauro Rossi von der Forschungseinrichtung Fondazione CIMA, die zu Klimarisiken forscht, sind die Klimaprognosen eindeutig: Dürren und ihre Folgen nehmen deutlich zu – selbst bei einer Erwärmung um 1,5 Grad. „Ohne Anpassung könnten die künftigen Ertragsverluste bei Weizen, Gerste und Mais in einigen Regionen Europas je nach dem betrachteten Erwärmungsgrad zwei- bis dreimal so hoch ausfallen wie unter den derzeitigen Bedingungen“, sagt Rossi.
„Es gibt kein Patentrezept gegen solche Extreme oder den Klimawandel“, sagt Rossi. Da jede Region Europas andere Bedingungen hat, müssten Maßnahmen lokal angepasst und verschiedene Ansätze langfristig........
