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Sorge, Angst, Hoffnung und Freude – all das ist berechtigt

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03.03.2026

Die Tötung von Ayatollah Ali Chamenei durch USA und Israel führte zu Raketenangriffen und emotionalen Reaktionen in betroffenen Ländern.

Viele feiern Chameneis Tod, da das iranische Regime jahrzehntelang Unterdrückung, Gewalt und Hinrichtungen verantwortete.

Die Politik von Donald Trump und Benjamin Netanjahu untergräbt internationales Recht und ignoriert die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung.

Ayatollah Ali Chamenei und weitere iranische Führer wurden getötet.

Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, Golfregion, Nordirak.

Iran unterstützte das Assad-Regime, entsandte Milizen und rekrutierte Kindersoldaten.

Internationaler Haftbefehl gegen Netanjahu wegen Kriegsverbrechen in Gaza.

Die Tötung von Ayatollah Ali Chamenei durch USA und Israel führte zu Raketenangriffen und emotionalen Reaktionen in betroffenen Ländern.

Viele feiern Chameneis Tod, da das iranische Regime jahrzehntelang Unterdrückung, Gewalt und Hinrichtungen verantwortete.

Die Politik von Donald Trump und Benjamin Netanjahu untergräbt internationales Recht und ignoriert die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung.

Ayatollah Ali Chamenei und weitere iranische Führer wurden getötet.

Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, Golfregion, Nordirak.

Iran unterstützte das Assad-Regime, entsandte Milizen und rekrutierte Kindersoldaten.

Internationaler Haftbefehl gegen Netanjahu wegen Kriegsverbrechen in Gaza.

Nachdem die USA und Israel den Iran angriffen und dessen geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei sowie andere Führungsriegen des Regimes in Teheran töteten, antwortete Teheran mit zahlreichen Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, die Golfregion und den Nordirak. Die Berichte über Todesopfer, darunter auch viele Zivilist:innen, nehmen zu. Möglichst genau und unabhängig überprüfen kann man das zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum. In allen betroffenen Ländern herrschen zahlreiche Restriktionen.

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Doch besonders auffallend sind auch die vielen Emotionen, die seit Beginn dieses Krieges mitschwingen und den ein oder anderen überraschen.

Nachdem der Tod Chameneis bekannt wurde, füllten viele Iraner:innen etwa nicht nur die Straßen westlicher Hauptstädte, um zu feiern, sondern tanzten und jubelten auch im Land, während die amerikanischen und israelischen Luftangriffe tobten.

Auch in anderen Regionen der Welt, etwa in Syrien, zelebrierten die Menschen das Ableben Chameneis mit Feuerwerkskörpern.

Warum Krieg bejubeln?

Das mag für einige befremdlich wirken, denn warum sollte man überhaupt Krieg, Tod und Zerstörung derart bejubeln?

Dabei ist die Antwort einfach: Der Unterdrücker des einen kann schnell auch zum Helden oder Befreier des anderen werden. Dies gilt selbst für US-Präsident Donald Trump und sein israelisches Gegenüber, Benjamin Netanjahu, deren Untaten mittlerweile der Welt bekannt sein dürften. Immerhin besteht gegen letzteren weiterhin ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofes wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza.

Für jene, die seit Jahren und Jahrzehnten vom iranischen Regime unterdrückt, gejagt, ermordet oder ins Exil verbannt wurden, spielt das allerdings aus gutem Grund eine kleine oder auch gar keine Rolle. Das gilt im Übrigen auch für den Umstand, dass dieser jüngste Krieg gegen jegliches internationales Recht verstößt und somit illegal ist. Die wirren Rechtfertigungsgründe, die von Trump und seinen Leuten genannt wurden, nimmt kaum jemand ernst.

Hauptsache, der Diktator ist weg.

Gefeiert wird trotzdem, denn Hauptsache, der Diktator ist weg. Tatsächlich ist auch überraschend, wie wenig viele Menschen auch über die Gräueltaten des iranischen Regimes zu wissen scheinen.

Der Grund, warum Syrer:innen etwa feiern, ist, dass Teheran jahrelang das brutale Assad-Regime unterstützte und zum Massenmord an Hunderttausenden von Menschen beitrug. Chamenei und Co. sandten hierfür unter anderem eigene Milizen nach Damaskus, unter ihnen auch minderjährige afghanische Geflüchtete, die als Kindersoldaten rekrutiert wurden. Jährlich fiel der Iran mit hohen Hinrichtungszahlen auf. Betroffen waren meist Aktivist:innen, Journalist:innen oder anderweitige Dissident:innen, die ihre Freiheiten und Rechte einforderten. Zuletzt fanden diese Hinrichtungen praktisch auf der Straße statt, als Regimekräfte Zehntausende protestierenden Menschen mit roher Gewalt ermordeten.

Deshalb sollte man nie vergessen zu sagen: Ja, Völkerrecht ist wichtig, doch es hat in erster Linie für diese Menschen zu gelten und nicht für jene repressiven Staatsapparate, die sich an ihnen vergehen.

Gleichzeitig sollte auch klar sein: Trump und Netanjahu untergraben internationales Recht und damit auch jene Ordnung, die uns noch irgendwie zusammenhält, in einer Art und Weise, die nur ins Chaos führen kann.

Gefahr eines eindimensionalen Bildes

Was im Iran passiert, erinnert mich unweigerlich an das Geschehen in Afghanistan. Als die USA und ihre NATO-Verbündeten dort nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 in New York einmarschierten und die militant-islamistischen Taliban stürzten, war auf vielen Straßen die Freude groß. Frauen legten ihre Burkas ab, Männer rasierten ihre Bärte. Jeder verstand das, denn die Taliban, die deutlich kürzer regierten als die Ayatollahs im Iran, hatten eine brutale Diktatur eingeführt.

Doch die feiernden Menschen in einigen Teilen Kabuls waren nur ein Fragment des Gesamtbildes. Anderswo wurden Menschen willkürlich bombardiert und mussten fliehen. Über sie hörte man allerdings vor allem in westlichen Hauptstädten eine lange Zeit wenig bis gar nichts. Dasselbe war auch für die entmachteten Taliban der Fall. Sie wurden von einer politischen Lösung ausgeschlossen, organisierten sich im Exil neu und kehrten radikaler und schlagkräftiger zurück. Von dieser Realität wurde die Welt erst im August 2021 eingeholt, denn seitdem regieren die Taliban wieder das gesamte Land und der zwanzigjährige Krieg, der auch mit einem „Regime Change“ gerechtfertigt wurde und Hunderttausende Menschen das Leben kostete, war am Ende nichts wert.

Ein derart eindimensionales Bild vom „guten Krieg des Westens“ scheint im heutigen Medienzeitalter kaum noch möglich zu sein. In den letzten Tagen erreichten uns auch die Fotos ziviler Opfer der amerikanisch-israelischen Gewalt. Hinzu kamen die Trauerzüge für Chamenei, an denen zahlreiche Menschen teilnahmen. Ja, auch sie sind Iraner:innen und man darf bezweifeln, dass all diese Szenen gestellt waren.

Faktor Trump wird unterschätzt

Hinzu kommt, dass viele den Charakter eines Donald Trump sowie der US-Machtpolitik im Allgemeinen unterschätzen. Dass die Taliban in Kabul wieder regieren, haben sie nämlich Trump zu verdanken, der während seiner ersten Amtszeit einen Deal mit ihnen aushandelte – und die ganze Truppe irgendwie ganz gut fand. „You are a tough people!“, sagte er dem Taliban-Führer Abdul Ghani Bradar persönlich am Telefon, nachdem der Deal in Katar im Jahr 2020 unterzeichnet gewesen war. Die Islamisten wurden damals zu großen Trump-Fans und waren der Meinung, dass seine Präsidentschaft eindeutig zu ihren Gunsten ausgefallen sei.

Klar sollte deshalb auch sein: Eine derartige Politik nimmt keine Rücksicht auf die Gefühle der Menschen. Egal, ob Angst, Hoffnung oder Freude: Es geht in erster Linie nicht um sie. Dies betrifft Afghan:innen, Iraner:innen aber auch andere betroffene Völker und Gesellschaften zugleich. Der Mann im Weißen Haus hat dies vor Kurzem wieder einmal verdeutlicht, als er angekündigte, zahlreiche jener alliierten Afghan:innen, die nach der Rückkehr der Taliban in die USA gebracht wurden, abschieben zu wollen. Einst galten sie als „allies“, doch im Trump’schen Zeitalter wurden sie zu „aliens“ gemacht.

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Spiegel: Dies ist ein gewollter Krieg, der gegen das Völkerrecht verstößt und auch nach US-Recht illegal ist

UN: Deadly bombing of Iran primary school ‘a grave violation of humanitarian law’: UNESCO

Drop Site: “Small Children Who Knew Nothing of Politics or Wars”

The Intercept: Iran Is Sending Afghan Children To Fight for Assad in Syria

The Guardian: Trump reportedly tells Taliban official ‘you are a tough people’ in first phone call

The Guardian: Once hailed as heroes, Afghans fear deportation under Trump

Das Thema in anderen Medien

Die Zeit: "Das Völkerrecht scheint keine Rolle mehr zu spielen"

Tagesschau: "Diese Luftangriffe sind völkerrechtswidrig"

The Conversation: Neither preemptive nor legal, US‑Israeli strikes on Iran have blown up international law

Chathamhouse: With Iran attacks, President Trump is making the use of force the new normal – and casting aside international law


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