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5 Jahre Taliban: Der Tag der großen Heuchelei

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15.08.2026

Die westlichen Staaten unterstützten in Afghanistan korrupte Eliten, was den Wiederaufbau und die Demokratie massiv behinderte.

Viele Hilfsgelder versickerten durch Korruption, etwa in "Geisterschulen" und fiktive Soldaten, statt der Bevölkerung zu helfen.

Die Rückkehr der Taliban wurde durch internationale Politik ermöglicht; das Leid der Afghan:innen wird in Europa verdrängt.

Taliban seit 15. August 2021 wieder an der Macht in Afghanistan

2011 wurden mindestens 1.100 Geisterschulen als aktiv geführt

Doha Deal zur Rückkehr der Taliban wurde 2020 unterzeichnet

Die westlichen Staaten unterstützten in Afghanistan korrupte Eliten, was den Wiederaufbau und die Demokratie massiv behinderte.

Viele Hilfsgelder versickerten durch Korruption, etwa in "Geisterschulen" und fiktive Soldaten, statt der Bevölkerung zu helfen.

Die Rückkehr der Taliban wurde durch internationale Politik ermöglicht; das Leid der Afghan:innen wird in Europa verdrängt.

Taliban seit 15. August 2021 wieder an der Macht in Afghanistan

2011 wurden mindestens 1.100 Geisterschulen als aktiv geführt

Doha Deal zur Rückkehr der Taliban wurde 2020 unterzeichnet

„Sie wollten angeblich ihre Sicherheit am Hindukusch verteidigen, doch nun ist der Hindukusch auch in Deutschland. So ist das nun einmal. Pech gehabt“, meinte ein guter Freund von mir jüngst zynisch. Der Hindukusch. So heißt die bekannte Gebirgskette in Afghanistan. Nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 war es der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck, der behauptete, die Sicherheit Deutschlands müsse von nun an auch am Hindukusch verteidigt werden. Damit rechtfertigte er den Kriegseinsatz der NATO, der im Oktober 2001 begann.

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Wie viele andere afghanische Geflüchtete kam mein besagter Freund in den 1990er-Jahren gemeinsam mit seiner Familie in Deutschland an. Heute sieht er, wie viele von „uns“, wie sehr sich das europäische Stadtbild tatsächlich „afghanisiert“ hat: Es gibt Handyläden, Restaurants und zahlreiche andere Unternehmen, die von Afghan:innen geführt werden. Die Landessprachen Farsi und Paschto sind präsenter denn je. Man hört verschiedene Akzente und Dialekte, auch auf den Straßen Wiens, Salzburgs oder Innsbrucks.

Doch während immer mehr Menschen die Meinung vertreten, dass einfach „zu viele“ Afghan:innen hierhergekommen seien, vor allem seit 2015, wird viel zu gerne verdrängt, dass dies nicht aus heiterem Himmel geschah.

Während im besagten Schicksalssommer 2015 viele Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien und anderswo gen Europa reisten, um Krieg, Terror und Zerstörung zu entgehen, befand ich mich als Reporter vor dem Kabuler Passamt im Westen Kabuls, wo jeden Tag Hunderte von Menschen auf ihre Dokumente warteten. Wer das Land – egal, auf welche Art und Weise – verlassen wollte, brauchte sie.

Wer mit den Menschen dort sprach, verstand schnell, was am Hindukusch falsch gelaufen war – und wie die westliche Staatengemeinschaft massiv dazu beigetragen hatte. Die afghanische Hauptstadt wurde damals regelmäßig vom Bombenterror der militant-islamistischen Taliban, die heute das Land regieren, heimgesucht, während die damalige offizielle, vom Westen gestützte Regierung aus einem korrupten Haufen bestand. Viele, die nun das Sagen hatten, waren Warlords, zwielichtige Politiker:innen und Drogenbarone, die sich seit Kriegsbeginn 2001 massiv bereicherten. Sie fuhren in teuren, kugelsicheren Autokolonnen durch die Stadt und bauten sich grässlich-pompöse Villen. Gleichzeitig herrschte in den ländlichen Regionen ein brutaler Krieg. Luftschläge der NATO, US-Drohnenangriffe und die Operationen von Spezialeinheiten trafen meist Zivilist:innen.

Kriminelle als Verbündete

Unter dem Sammelsurium der westlichen Verbündeten in Kabul befanden sich etwa Ahmad Wali Karzai, Bruder des Ex-Präsidenten Hamid Karzai, CIA-Angestellter und führender Drogenboss im Süden des Landes. Dann gab es noch den erst vor Kurzem wegen mutmaßlichen Drogenhandels und Waffenschmuggels verhaftete Warlord und Ex-Parlamentsabgeordnete Zahir Qadir, der ebenfalls eng mit US-Truppen zusammenarbeitete. Es gab auch Frauen, die sich an diesem System bereicherten, etwa die ehemalige Parlamentsabgeordnete und vermeintliche Frauenrechtsaktivistin Fawzia Koofi, die von westlichen Akteuren bis heute als weibliche Ikone romantisiert wird und sogar für den Friedensnobelpreis nominiert wurde, obwohl in innerafghanischen Kreisen ihre Verstrickungen mit den mafiösen Netzwerken ihrer Familie schon seit Jahren bekannt sind. Koofi wurde vor fünf Jahren im Zuge der Machtübernahme der Taliban von den westlichen Truppen evakuiert.

Mit diesen Verbündeten wollte man allen Ernstes ein demokratisches Afghanistan aufbauen. Doch dabei........

© Wiener Zeitung