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Spielsucht: Wenn es wieder kitzelt

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Jugo Ürdens aka Aleks Simonovski ist diese Tage viel beschäftigt. Der 30-jährige der sich als Musiker einen Namen gemacht hat, hat eben sein neues Album fertiggestellt. Trotzdem schwebt immer eine dunkle Wolke über seinem kahlgeschorenen Kopf. Aleks war viele Jahre spielsüchtig. Es ist ein Kapitel seines Lebens, mit dem er nun abgeschlossen hat, erzählt er, als wir uns in einer Bar treffen. Mit Steuerschulden hat er aber zum Teil bis heute noch zu kämpfen.

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Bei solchen Themen habe jeder eine Origin-Story, heißt es. Also eine bestimmte Erfahrung, an der sich festmachen lässt, wann alles begonnen hat. Für Aleks dürfte es das Champions-League-Finale 2016-17 gewesen sein. Er setzte 20 Euro und der Wettschein ging auf. Er gewann keinen großen Betrag, aber über Sportwetten kam er schnell zu Online- Spielautomaten. Und in den Slots wohnt der Teufel.

„Wir waren die Pioniere, die am Handy spielsüchtig geworden sind“, beschreibt der heute 30-Jährige die Zeit, in der Glücksspiel am Smartphone noch nicht stark verbreitet war. „Ich wusste dann auch irgendwann meine Verfügungsnummer für die Sofortüberweisung auswendig“, sagt er. Der Abrutsch in die Spielsucht kam schleichend. Aleks beschreibt ein Gefühl der Ohnmacht, das ihn gepackt und nicht mehr losgelassen hat.

Flucht in den Dopaminrausch

Er traf sich damals an Wochenenden und manchmal auch unter der Woche mit Freunden und „zockte“ – also spielt Online-Casino. „Man hyped sich gegenseitig auf und wechselt die Spiele. Aber in den meisten Fällen sitzt man am Ende einfach gebrochen da“, erzählt er. Den Boden erreichte er zu einer Zeit, in der es mit der Musik nicht gut lief. „Es war komplette Realitätsverweigerung und absolute Flucht in den nächsten Dopaminrausch“, sagt Aleks. Er hatte aber nie die Illusion, das große Geld zu machen. Es ging einfach darum, die Aufregung zu spüren, wenn alles klingelt und blinkt und die Slotmaschine die bunten, glänzenden Symbole durchmischt. Wenn das Guthaben bei den Online-Anbietern hochspringt, mal sogar auf ein paar Tausend Euro. Und wenn dann mit einem Klick aufs Handy hundert Euro gesetzt werden.

Seine Erzählung deckt sich mit dem, was Expert:innen über Glücksspiel und Spielsucht sagen. Der Epidemiologiebericht Sucht der Gesundheit Österreich GmbH hat dieses Jahr zum ersten Mal auch dieses Thema in ihre Erhebung mit aufgenommen. Bei jungen Menschen zwischen 15 und 29 sind Glücksspielautomaten, Sportwetten und Wetten auf E-Sports die beliebtesten Formen des Glücksspiels.

„Das Gefährliche am Online-Glücksspiel ist, dass es einfach immer verfügbar ist und

die Schwelle sehr gering ist, da immer wieder einzusteigen. Und deswegen hat es auch ein ziemliches Suchtpotenzial“, sagt Martin Busch, Psychologe und Experte bei Gesundheit........

© Wiener Zeitung