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Wer Care-Arbeit leistet, zahlt im Alter drauf

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02.03.2026

Frauen in Österreich sind überdurchschnittlich von Altersarmut betroffen, besonders nach unbezahlter Care-Arbeit und Teilzeitbeschäftigung.

Der Gender-Pension-Gap beträgt rund 40 Prozent, Frauen erhalten monatlich etwa 1.000 Euro weniger Pension als Männer.

Eva-Maria Holzleitner fordert Lohntransparenz, bessere Kinderbetreuung und gerechte Aufteilung von Care-Arbeit zur Bekämpfung der Ungleichheit.

19 Prozent der Frauen über 65 sind armutsgefährdet, bei Männern 17 Prozent.

Durchschnittliche Pension 2025: Frauen 1.527 €, Männer 2.535 € (40 Prozent Gap).

75 Prozent der Österreicher:innen glauben nicht an ausreichende staatliche Pension.

Nach Karenz verdienen Frauen im Median nur 83 Prozent ihres früheren Einkommens.

Frauen in Österreich sind überdurchschnittlich von Altersarmut betroffen, besonders nach unbezahlter Care-Arbeit und Teilzeitbeschäftigung.

Der Gender-Pension-Gap beträgt rund 40 Prozent, Frauen erhalten monatlich etwa 1.000 Euro weniger Pension als Männer.

Eva-Maria Holzleitner fordert Lohntransparenz, bessere Kinderbetreuung und gerechte Aufteilung von Care-Arbeit zur Bekämpfung der Ungleichheit.

19 Prozent der Frauen über 65 sind armutsgefährdet, bei Männern 17 Prozent.

Durchschnittliche Pension 2025: Frauen 1.527 €, Männer 2.535 € (40 Prozent Gap).

75 Prozent der Österreicher:innen glauben nicht an ausreichende staatliche Pension.

Nach Karenz verdienen Frauen im Median nur 83 Prozent ihres früheren Einkommens.

Am 8. März ist Frauentag. Ich weiß, der sollte natürlich 365 Tage im Jahr sein. Man sollte auch nicht nur in den Wochen davor und danach auf bestehende Ungleichheiten hinweisen. Und trotzdem möchte ich in dieser Kolumne über Altersarmut schreiben. Denn sie klingt oft so weit weg und abstrakt, in grauer, ferner Zukunft liegend, vor allem für die Gen Z – mich eingeschlossen.

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Dabei betrifft sie uns alle, oder eher die Angst vor ihr: Drei Viertel der Österreicher:innen glauben nicht mehr daran, dass die staatliche Pension später ausreichen wird. Sechs von zehn rechnen damit, im Alter weiterarbeiten zu müssen. Das zeigt eine aktuelle Studie von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen.

Altersarmut trifft jedoch nicht alle gleich. Denn in Österreich hat sie ein ziemlich klares Geschlecht: Sie ist weiblich. Die Armutsgefährdungsquote bei Frauen über 65 liegt laut Statistik Austria bei 19 Prozent – jede fünfte Frau ab 65 ist also armutsgefährdet. Alleinlebende Pensionistinnen sind mit 26 Prozent besonders von Altersarmut betroffen. Im Vergleich dazu liegt bei alleinlebenden Pensionisten die Armutsgefährdung bei 17 Prozent.

Darüber müssen wir reden. Denn es ist ein strukturelles Problem.

Frauen erhalten in Österreich im Durchschnitt 1.527 Euro brutto Pension, Männer etwa 2.535 Euro brutto (Stand 2025). Das macht monatlich rund 1.000 Euro Unterschied. Der Gender-Pension-Gap liegt bei rund 40 Prozent. Das zeigt eine Aufstellung der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23) und des Frauenservice (MA 57) der Stadt Wien für den Städtebund. Ich würde sagen, das ist kein „Gap“, das ist eine Kluft.

Die Ursachen dafür kennen wir längst. Frauen verdienen weniger, arbeiten häufiger Teilzeit und übernehmen den Großteil unbezahlter Care-Arbeit: Sie betreuen Kinder, pflegen Angehörige, übernehmen Organisation und Planung – das alles ist systemrelevant, aber leider pensionsirrelevant. Denn wer wegen Kinderbetreuung oder Pflege im Beruf kürzertritt, zahlt später drauf.

Wer das System trägt, fällt durchs Raster

Besonders bitter: Selbst gut ausgebildete Frauen sind betroffen. Laut AMS verdienen Frauen nach der Karenz im Median nur noch rund 83 Prozent ihres früheren Einkommens, während Männer hingegen kaum einen Bruch im Einkommen erleben – sie gehen ja auch deutlich seltener in Karenz. Das Pensionssystem rechnet diese Brüche gnadenlos mit. Die sogenannte „lebenslange Durchrechnung“ trifft genau jene, die das System am Laufen halten.

Im EU-Vergleich steht Österreich damit ziemlich schlecht da. Während Länder wie Island oder Schweden zeigen, dass gute Kinderbetreuung, verpflichtende Väterkarenz und faire Anrechnung von Care-Arbeit Altersarmut deutlich senken, haben Mütter in Österreich oft keine andere Wahl, als nach einer Karenz in Teilzeit zurückzukehren.

Organisationen wie die Caritas bringen es also auf den Punkt: Armut ist weiblich, weil unbezahlte Arbeit weiblich ist.

Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner fordert, bestehende Ungleichheiten rasch zu beenden. Ein zentraler Schritt sei die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie bis Mitte 2026, um die Lohn- und Pensionslücke zu schließen, wie sie vergangenen August betonte. Zusätzlich brauche es mehr Kinderbetreuung, faire Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Aufteilung von Care-Arbeit.

Ich kann das nur unterstreichen: Wer Altersarmut bekämpfen will, muss endlich die Ursachen angehen. Alles andere ist Symptombekämpfung.

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AMS: Altersarmut bei Frauen – Gründe und was man dagegen tun kann

Kleine Zeitung: Vertrauen der Österreicher in staatliche Pension schwindet

Der Standard: Frauen erhalten in Österreich im Schnitt 39,7 Prozent weniger Pension als Männer

SPÖ: Equal Pension Day – Lohn- und Pensionsschere schließen!

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Von der Altersarmut in die finanzielle Unabhängigkeit

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Kleine Zeitung: Österreich bei Frauenpensionen EU-weit unter den Schlusslichtern


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