Warum die Träume von neuen AKW so kurzsichtig sind
Seit fast drei Jahren wird in Deutschland kein Atomstrom mehr produziert. Doch in die energiepolitischen Debatten des Landes strahlt die Kernkraft immer noch aus. Der jüngste Vorstoß ist wenige Wochen alt: Die CSU machte sich im Januar stark für eine Rückkehr zur Atomkraft. Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche scheint dafür offen zu sein. Langlebiger als die Faszination einschlägiger Kreise für diese Technologie ist nur der radioaktive Müll, der beim Betrieb von AKW übrig bleibt.
Davon gibt es schon jetzt 17.000 Tonnen in Deutschland. Die Frage nach deren endgültigem Verbleib ist noch immer ungeklärt – und wird es wohl auch absehbar bleiben. Ursprünglich einmal sollte bis 2031 ein Standort für ein Endlager in Deutschland gefunden sein. Doch von diesem Ziel scheint das Umweltministerium nun abzurücken. Begründung: nicht realistisch. Ein neues Zieldatum steht im entsprechenden Gesetzentwurf sicherheitshalber gar nicht mehr drin.
Übersetzt heißt das: Die Bundesregierung hat fast 70 Jahre nach dem Start des ersten AKW in Deutschland nicht nur keine Antwort auf die Frage, wohin mit dem Abfall. Sie weiß noch nicht einmal, wann sie diese Antwort haben wird.
Wer jetzt im Bundestag sitzt, wird den Bürgerinnen und Bürgern im eigenen Wahlkreis also wahrscheinlich nicht mehr erklären müssen, warum ausgerechnet vor ihrer Haustür die Atommüllhalde entstehen soll. Doch irgendwo wird sie entstehen müssen. Die Streichung der Frist zeigt: Es ist bestenfalls kurzsichtig, öffentlich von neuen Reaktoren zu träumen, solange die Probleme, die die alten geschaffen haben, nicht gelöst sind.
