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Trumps Venezuela-Szenario wird in Iran nicht aufgehen

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Die Kriegsziele, die sich US-Präsident Donald Trump für Iran vorgenommen hat, ändern sich fast täglich. Mal sollen die Kurden im Irak eine Bodenoffensive im Westen Irans vornehmen, mal wird die Idee wieder verworfen. Von der Schaffung einer Demokratie, die die Islamische Republik ersetzen soll, ist inzwischen nicht mehr die Rede.

Regelrecht besessen scheint Trump vom Venezuela-Modell. Nach der Entführung des verhassten Machthabers Nicolás Maduro durch US-Spezialtruppen wird dessen Stellvertreterin eingesetzt, die die Ölanlagen für US-Unternehmen öffnet. Und das bisherige Regime macht weiter wie bisher. Trump verfolgt ein ähnliches Szenario für den gesamten Nahen Osten. Die Region soll sich mit einem Amerika genehmen Führer in Teheran zu einem Wirtschaftsparadies entwickeln. Die milliardenschweren Investments aus den Golfstaaten in die KI-Tech-Giganten in den USA zeigen, was sich Trump vorstellt.

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Diese Vision dürfte im Falle Irans kaum funktionieren. Das Regime hat sich seit Jahren auf den Krieg durch Amerika und Israel vorbereitet. Die Führungsstrukturen der Mullahs und der allmächtigen Revolutionsgarden sind tief im politischen System verankert. Sie lassen sich nicht durch Luftschläge einfach „enthaupten“.

Irans Machtelite setzt auf zwei Dinge: Ihre Angriffe auf die öl- und gasreichen Scheichtümer am Golf sollen zu Verwerfungen in der Weltwirtschaft führen, damit der Ruf nach einem Waffenstillstand laut wird. Zudem rechnet sie damit, dass Trump irgendwann sein Interesse an Iran verliert und sich einem anderen Konfliktherd zuwendet. Fest steht: Geduld hat Trump nicht.


© Westfalenpost