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Einknicken oder Eskalieren? Warum Trump in der Sackgasse steckt

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19.04.2026

Schon im Normalfall ist die Halbwertszeit dessen, was Donald Trump den lieben langen Tag über von sich gibt, überschaubar. Was der amerikanische Präsident morgens laut denkt, kann mittags bereits verworfen sein, um am Abend, geringfügig recycelt, erneut aufzutauchen. In Kriegen ist diese ans Paranoide grenzende Wankelmütigkeit hochgefährlich. Gerade dann, wenn Waffenstillstandsfristen auslaufen. Das ist im Iran am Dienstag der Fall.

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Alle krampfhaften Bemühungen Trumps, Teheran vorher unter Zuhilfenahme von imaginierten Zusagen mit Druck in ein schnelles Friedensabkommen zu zwingen, sind bisher gescheitert. Es gibt keine vollständige Wiederöffnung der Straße von Hormus, keinen Totalverzicht auf Uran-Anreicherung, keine Herausgabe von Alt-Uran an die USA, keine Abkehr von der Unterstützung von Stellvertreter-Terrorgruppen in der Region. Stattdessen werden Raketenlager reaktiviert. Der Iran hat alle Erfolgsmeldungen Trumps dementiert, er beugt sich nicht. Geschweige denn kapituliert er.

Mit der Blockade von Hormus glaubt das Regime trotz enormer wirtschaftlicher Schwierigkeiten die besseren Karten zu haben, die höhere Schmerztoleranz ohnehin. Der US-Präsident hat sich zu Beginn der achten Kriegswoche in eine Sackgasse manövriert. Entweder willigt er in ein letztlich von Teheran diktiertes Abkommen ein, das gerade in der Atom-Uran-Frage in der Substanz nicht weit weg sein würde von Obamas Atom-Deal 2015. Oder er gibt grünes Licht für eine massive militärische Eskalation, die am Ende Bodentruppen, noch mehr Tote, einen in Flammen aufgehenden Nahen Osten und seinen beschleunigten politischen Untergang bedeuten kann. Was wird es sein?


© Westfaelische Rundschau