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Schwarze Sieger, grüne Sieger: Wer braucht eigentlich noch die SPD?

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24.03.2026

Wer braucht eigentlich noch die SPD? Das ist eine harte Frage – und jahrzehntelang war die Antwort absolut klar. Die SPD hat Deutschland maßgeblich zu dem Land gemacht, das es heute ist: Ein türkisches Arbeiterkind kann Professor werden. Berufstätige Eltern können Arbeit und Familie unter einen Hut bringen. Wer seinen Job verliert, stürzt nicht ins Bodenlose. Niemals vergessen darf man zudem: Die SPD war die letzte Partei, die Adolf Hitler noch im März 1933 im Reichstag die Stirn bot.

Doch heute sieht es oftmals so aus, als hätte die SPD ihre Rolle zu Ende gespielt. Überspitzt gesagt: Deutschland ist kein idealer Staat, aber es ist im Vergleich zu anderen ein zutiefst sozialdemokratisches Land. Die Sozialdemokraten haben also einen guten Job gemacht und können jetzt Feierabend machen. Oder nicht?

Wenn man klugen SPD-Köpfen in diesen Tagen zuhört, kommt noch etwas anderes hinzu: Die SPD regiert zwar noch im Bund und in vielen Ländern, hat aber ihr Alleinstellungsmerkmal verloren. Die CDU mit ihrem Sozialflügel, die maßvollen CDU-Politiker in den Landesregierungen – sie machen heute vielfach Politik, die von SPD-Positionen kaum noch zu unterscheiden ist. Gleichzeitig haben die Grünen die urbanen, akademischen SPD-Anhänger geschluckt; die Linke singt das Klassenkampflied und die AfD verspricht Politik „für den kleinen Mann“. Wer braucht da noch die SPD?

Die naheliegende Antwort ist: Jede schwarz-grüne Regierung braucht die SPD. Dringend. Denn ohne die SPD gäbe es oft nur Populisten in der Opposition. Es ist ein schwacher Trost – aber eine wichtige Aufgabe.


© WAZ