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Studienjahr-Treffen nach 55 Jahren: Die Überlebensquote steht bei 9 zu 4

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Max hat geschrieben. Also eigentlich heißt er gar nicht Max aber so nenne ich ihn aus Gründen seit beinahe, nun ja, 55 Jahren. In Erwägung dieses Umstandes, dessen Erwähnung bei mir nicht zur Ausschüttung von Endorphinen führt, angesichts dieses Umstandes also, ich meine den der 55 Jahre, hätte mich dieses Schreiben nicht irritieren sollen. Tat es aber, einen Augenblick.

Es galt nicht nur mir, sondern war ein Rundschreiben an alle ehemaligen Studenten unseres Studienjahres. Die, also wir, treffen sich am kommenden Wochenende in Zittau, bisschen Theater, bisschen quatschen, von früher und so. Und Max so: „Wenn vorhanden, könnt ihr mir eine evtl. Einstufung als ‚schwerbehindert‘ mitteilen.“ Es ging um Eintrittspreise.

Ernsthafte Fragen zum Älterwerden überraschen im Freundeskreis

Uff. Ich habe wohl spontan ein wenig gegrinst, einen Augenblick gar geglaubt, der gute Max mache einen Scherz. Es dauerte wirklich nur einen Augenblick, bis ich begriff, dass daran nichts, aber auch gar nichts komisch ist. Wir haben nun mal das Alter, sogar die schöne Sylvia hat es, das ist eine altersgerechte Standardfrage.

Unsere drei prägenden Dozenten, alle internationale Koryphäen, sind tot, der letzte starb vor drei Jahren. Aus unserem Studienjahr, wir waren 13, sind vier nicht mehr da, 1 Professor, 2 Dramaturgen, 1 nicht ganz gelungener Regisseur. Dabei, die waren doch wie wir, die gehörten doch dazu. 4 aus 13. Das klingt wie 6 aus 49 und es hat auch etwas von einer Lotterie, eine Lotterie mit ziemlich guten Gewinnchancen, die hier ziemlich schlecht sind. Nur, dass hier niemand gewinnt.

Radfahren nach Knieproblemen fällt immer schwerer

Die andere Lotterie steht bei 2 aus 9. Denn, so stellte sich heraus, zwei von uns Übrigen verfügen über eine solche Bescheinigung. Einer von beiden ist der erwähnte Max, man sieht ihm das nicht an und er hat es nie erzählt, ich erfuhr es erst jetzt durch eine telefonische Rückfrage. Es ist also durchaus nicht so, dass alte Männer die Umwelt ständig mit ihren Krankheiten traktieren. Oder hören Sie mich etwa jammern wegen diesem dämlichen Knie?

Der Gute Woche-Newsletter

Der Gute Woche-Newsletter

Apropos, in dieser Woche bin ich zum ersten Mal in diesem Jahr wieder mit den üblichen Verdächtigen Rad gefahren, es war nicht so furchtbar viel und so furchtbar schnell war es auch nicht. Aber ziemlich furchtbar war es schon, und die Gründe dafür sind wohl gleichmäßig auf das Knie und die Jahre verteilt.

Und nachdem mir ein Orthopäde unlängst sagte, das Knie, das bleibe nun so und mit der Schulter müsse man halt mal sehen, seitdem murmele ich, als ungetauftes Heidenkind, den alten Spruch: „Gott gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“. Wer immer das schrieb, die Urheberschaft ist umstritten, war ein wirklich weiser Mann.

Gebete von Atheisten stoßen bei Gott auf taube Ohren

Kann aber auch sein, Gott hört nicht richtig hin oder nur mit einer gewissen Mürrischkeit, wenn Atheisten oder opportunistische Agnostiker gegen Ende hin anfangen zu beten.

Aber jetzt hat eine schottische Universität herausgefunden, dass der ältere Buckelwal bei der Partnersuche erfolgreicher ist als die jüngere Konkurrenz. Weil, heißt es, er beherrsche die immer komplexeren Balzgesänge besser. Immerhin, das erklärt mir mein Glück, das ich seit 15 Jahren lebe. Ach, pfeif doch auf das blöde Knie.


© TLZ