EU im Schuldenrausch: Brüssel will immer mehr Milliarden
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EU im Schuldenrausch: Brüssel will immer mehr Milliarden
17. Oktober 2026 | Oliver Stock
Streit auf dem Gipfel: Die EU will Bürokratie abbauen, aber stellt mehr Personal ein. Alte Corona-Schulden kosten Milliarden. Trotzdem plant Brüssel schon die nächsten Kredite.
52 Förderprogramme und Instrumente werden auf 16 reduziert. Eine tiefe Schneise durch den Brüsseler Förderdschungel. Geschlagen. Zudem weniger Vorschriften, weniger Bürokratie, einfachere Verfahren – das verspricht die EU-Kommission für ihren nächsten Siebenjahreshaushalt.
Doch während sie den Rotstift bei den Programmen ansetzt, wächst der Personalbedarf: Rund 2500 zusätzliche Vollzeitstellen kalkuliert die Kommission für die EU-Institutionen ein. Die jährlichen Verwaltungsausgaben sollen real um knapp elf Prozent steigen. Mehr als 100 Milliarden Euro sind dafür über sieben Jahre vorgesehen. Brüssel will seine Verwaltung verschlanken. Nur billiger wird sie dabei nicht. Wie passt das zusammen?
Der zweite Widerspruch kostet noch mehr. Rund 150 Milliarden Euro sind zwischen 2028 und 2034 für den Schuldendienst aus dem Corona-Wiederaufbauprogramm eingeplant. Geld, das bereits vergeben ist, bevor die neuen politischen Vorhaben überhaupt beginnen. Gleichzeitig soll Europa mehr für Verteidigung, Forschung und Wettbewerbsfähigkeit ausgeben. Die Rechnungen der Vergangenheit stapeln sich, während die Wunschliste für die Zukunft länger wird.
Beim EU-Gipfel, der am Donnerstag in Brüssel begonnen hat, prallen diese Ansprüche auf die Zahlungsbereitschaft der Mitgliedstaaten. Fast zwei Billionen Euro wollte die Kommission ursprünglich in den Jahren 2028 bis 2034 ausgeben. Das sind umgerechnet rund 9000 Euro – jede Sekunde, sieben Jahre lang. Nach heftigem Widerstand hat die irische Ratspräsidentschaft einen abgespeckten Entwurf vorgelegt. Doch selbst darin stehen noch rund 1,83 Billionen Euro. Bundeskanzler Friedrich Merz spricht von „sehr, sehr schwierigen Verhandlungen“ und fordert Einsparungen von mehreren Hundert Milliarden Euro.
Es geht längst um mehr als den üblichen Streit zwischen Nettozahlern wie Deutschland und Empfängerländern. Die EU hat ihre Aufgabenliste verlängert, ohne die alte entsprechend zu kürzen.
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