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Frankreich auf den Barrikaden, Europa vor der Rechnung

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10.10.2026

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Frankreich auf den Barrikaden, Europa vor der Rechnung

10. Oktober 2026 | Maurice Dorffer

Steigende Zinsen und wütende Schüler setzen Premier Lecornu unter Druck. Vor der Präsidentschaftswahl 2027 wittern rechte und linke Populisten ihre Chance.

VON MAURICE OLIVIER DORFFER 

Vor einem Jahr glich Frankreich dem Jahr 1787, heute gleicht es 1788. Schüler errichten Barrikaden vor ihren Lycées, die Zinsen fressen jeden eingesparten Euro, und Premier Lecornu ringt um seinen letzten Haushalt vor der Wahl. Scheitert er, steht nicht nur Paris auf der Straße, sondern ganz Europa in der Haftung. 

Sébastien Lecornu will 2027 rund 54 Milliarden Euro einsparen, so viel wie kaum eine Regierung vor ihm. Das Defizit soll von 5,4 auf 5 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. Es ist der letzte Haushalt vor der Präsidentschaftswahl, und er trifft auf ein Land, in dem seit Ende September die Lycées blockiert werden. Der mouvement lycéen, die Bewegung der Gymnasiasten, hat längst auf Universitäten und Straßen übergegriffen. 

Vor fast genau einem Jahr habe ich an dieser Stelle die Lage Frankreichs bilanziert. Ich schrieb von einem überschuldeten Staat, einem Parlament, das jede Reform blockiert, von fehlenden Mehrheiten und einer wachsenden Wut auf der Straße. Und ich erinnerte an die Jahre 1787 und 1788, als die Krise des Ancien Régime unaufhaltsam auf die Revolution zusteuerte. 

Lecornu, den Emmanuel Macron im September 2025 zum Premierminister ernannte, erinnert dabei an Jacques Necker, den populären Finanzminister Ludwigs XVI. Necker sollte die zerrütteten Staatsfinanzen sanieren und das Vertrauen der Gläubiger zurückgewinnen. Er wurde gefeiert, entlassen und zurückgerufen. Als Ludwig XVI. ihn am 11. Juli 1789 erneut entließ, stürmten die Pariser drei Tage später die Bastille. Schon 1781 hatte Necker in seinem Compte rendu au roi einen Überschuss ausgewiesen, weil er die Kriegskredite in einer gesonderten Rechnung führte. Auch Lecornu verspricht den rigorosesten Haushalt seit Langem, während die Schuldenquote weiter klettert. 

Die Zinsen fressen das Sparpaket

Vor einem Jahr meldete das Statistikamt Insee rund 3,4 Billionen Euro Staatsschulden oder 115,6 Prozent des BIP, die gesamtstaatlichen Zinszahlungen lagen bei mehr als 60 Milliarden Euro. Ende Juni 2026 waren es rund 3,6 Billionen Euro oder 119 Prozent, allein im zweiten Quartal kamen fast 60 Milliarden Euro hinzu. Für 2027 erwartet Wirtschaftsminister Roland Lescure rund 91 Milliarden Euro Zinsen, mehr als der Staat für seine Armee ausgibt. Und trotz des geplanten Sparprogramms rechnet das Finanzministerium für Ende 2027 mit einer Schuldenquote von 121,7........

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