Wenn Schmerzen bagatellisiert werden
G uten Morgen“, flüsterte Pfleger S. und klapperte mit einer Pillendose vor meinem Gesicht. Ich schreckte hoch. An den Weckdienst eines fremden Mannes um sieben Uhr hatte ich mich noch nicht gewöhnt. Ich lag in einer Schmerzklinik im Westen von Berlin, einem Auffangbecken für hoffnungslos Verzweifelte.
Ich habe lange gezögert, über Kranksein zu schreiben. Gehört das in diese Kolumne? Dabei ist Krankheit nicht nur ein individuelles Erleben, sie hängt von politischen Entscheidungen, von Finanzierungssystemen, Personal, Forschungsgeldern ab. Davon, wessen Schmerzen ernst genommen werden – und wessen nicht. Während Politik und Ökonomen gerade diskutieren, wo im Gesundheitssystem gespart werden kann, frage ich mich: Wie soll das gehen, ohne dass die Versorgung von Patient:innen darunter leidet?
Ich habe Endometriose und Adenomyose, Erkrankungen, die für Betroffene wie mich mit massiven Schmerzen verbunden sind. Dazu chronische........
