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So bewegend ist das Leben im Schatten des Kirchturms

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07.07.2026

Alle 15 Minuten ist im Garten von Marion und Thomas Hollubetz lautes Geläut zu hören. Es sind die Glocken der benachbarten Herz Jesu-Kirche, die nur durch eine Mauer und das Pfarrhaus vom Grundstück des Ehepaars in Frankfurt-Eckenheim getrennt sind. In dritter Generation bewohnt die Familie das Haus, inzwischen seit über 40 Jahren. „Das Läuten nehmen wir ehrlich gesagt gar nicht mehr wahr. Nur wenn wir mit Besuch auf der Terrasse sitzen, müssen wir manchmal das Gespräch unterbrechen, wenn die Glocke schlägt“, sagt Marion Hollubetz schmunzelnd. Ihrem Hund Diego haben es die Glocken angetan. Oft stimmt er mit einem freudigen Bellen in das Geläut ein. Vielleicht denkt das Tier, dieses Geräusch gehöre zum Menschenleben einfach dazu.

Krämerladen vis-à-vis mit dem Kirchturm

Bei seinen beiden Besitzern ist das tatsächlich so. Denn die Pfarrkirche ist quasi ihr Nachbar. Ein Onkel von Marion Hollubetz hat das Haus um 1890 erbaut, seine Frau betrieb über Jahrzehnte einen Tante-Emma-Laden im Erdgeschoss. So sicherte sie ihren Lebensunterhalt, nachdem ihr Ehemann früh verstorben war. Ihr kleines Geschäft, von dem aus sie immer einen Blick auf die Kirche hatte, war Anlaufstelle für alle im Viertel. Butter, Eier, Milch – und ein Schwätzchen, wenn nicht die Glocken dazwischen bimmelten. Als das Haus gebaut wurde, war die Kirche ebenfalls noch eine Baustelle. 1896 wurde sie fertiggestellt. Heute ist der ehemalige Verkaufsraum der Tante im Nachbarhaus die Küche von Ehepaar Hollubetz. Kochen mit Blick auf den Kirchturm, das war hier immer so.

Marion Hollubetz (65) ist eine Querstraße weiter aufgewachsen und hat als Kind oft die Tante und ihre Oma, die im ersten Stock wohnte, besucht. Später verstarb die Tante, und als Marion Hollubetz nach dem Abitur eine Ausbildung zur Physiotherapeutin machte, zog sie zur Großmutter und nutzte das Erdgeschoss. Die Kirche Herz Jesu kannte sie schon ein wenig, obwohl sie sie selten betreten hatte. Denn Marion Hollubetz war damals noch evangelisch. „Ich habe die Jugendlichen damals aber schon um ihre lebendige Jugendarbeit dort beneidet“, erinnert sie sich.

Während der Ausbildung lernte sie ihren späteren Ehemann Thomas kennen. Als das junge Paar zusammenziehen wollte, zog die Großmutter zu ihrer Tochter, sodass die beiden sich im Haus einrichten konnten. 1989 waren Renovierung und Umbauten fertig, bald kamen die Kinder. Thomas Hollubetz eröffnete im nahen Königstein am Taunus eine gynäkologische Praxis, über 30 Jahre unterstützte seine Frau ihn dort im Praxisteam. Inzwischen waren........

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