Die Liebe zur Heimat brachte Franziska Dellemann zur Trachtengruppe. Nun feiert der Verein 60-Jähriges
Mit dem Münchner Oktoberfest im Jahr 1978 hat es für Franziska Dellemann angefangen: Sie wurde Mitglied der Allensbacher Trachtengruppe. Die habe damals beim Festumzug in der bayerischen Landeshauptstadt mitmachen dürfen. Ihr Sohn sei schon bei den Trachten gewesen, berichtet Dellemann. Und so sei sie gefragt worden, ob sie mitkommen wolle, um auf die Kinder der Gruppe im Schlafsaal aufzupassen. Bei der Gelegenheit habe sie selbst auch eine Tracht bekommen. Mittlerweile ist das Geschichte: In diesem Jahr begeht die Trachtengruppe ihr 60-Jähriges.
Bauerntracht hat es seit dem 18. Jahrhundert gegeben
„Es war prima, dass ich gefragt worden bin“, erklärt Franziska Dellemann, „ich bin Allensbacherin, ich liebe Allensbach, meine Heimat. Seitdem bin ich mit Liebe dabei. Ich pflege auch die Mundart.“ Und sie werde nicht austreten, sondern mit Begeisterung dabei bleiben, solange es gehe. Denn: „Ich war immer schon begeistert von der Allensbacher Tracht.“ Und zwar bereits von der Bauerntracht, die es seit dem 18. Jahrhundert gab und die Stefanie Schieß 1937 in einem kleinen Kreis wieder habe aufleben lassen.
Im Jahr 1965 dann entwarf Katharina Brunner die neue Allensbacher Tracht – sie war die Ehefrau des damaligen Bürgermeisters Hermann Brunner. Sie habe eine zeitlose, stilechte Tracht geschaffen, orientiert an der Bürgertracht des Bodenseegebiets, sagt der Vereinsvorsitzende Edwin Braun. Diese sei dann Ende November 1965 von der Badischen Landesstelle für Volkskunde positiv beurteilt und genehmigt worden.
Die Tracht bestehe aus einem Trägerkleid – darüber ein Jäckchen, eine Schürze und ein Schultertuch – und aus der für den Bodensee typischen großen Radhaube, erklärt Katrin Waidele-Wießner, die stellvertretende Vorsitzende. Jedes Mitglied suche sich die Farben selbst aus und besticke die Tracht. Die Kindertracht sei an der früheren Bauerntracht orientiert, mit einer weißen Bluse unter dem Kleid. So entstand schließlich auch die Allensbacher Trachtengruppe.
Gruppe tritt vor allem zu festlichen Anlässen auf
Franziska Dellemann erklärt, Katharina Brunner habe eine Festtagstracht erschaffen wollen. Dementsprechend tritt die Trachtengruppe bei festlichen Anlässen der Gemeinde und der Kirche auf. So etwa bei der Seeprozession zur Reichenau Ende Juli, an Fronleichnam, zur Wahl des Bürgermeisters oder beim Seetorfescht. Und sie pflegt freundschaftliche Kontakte zu Trachtengruppen aus anderen Orten, lädt solche ein oder ist bei ihnen zu Gast.
„Wir waren im ganzen Bodenseeraum unterwegs“, sagt Franziska Dellemann. Es gefalle ihr, dass man so viele Leute kennenlerne und sich austausche. Als einen Höhepunkt nennt sie die Amtseinführung des damals neuen Bischofs Stefan Burger 2014 in Freiburg. Dellemann fügt an: „Schön war's mit den Männern.“ 1987 seien Trachtenmänner dazu gekommen – damals angelockt durch die Anfang dieses Jahres verstorbene Ehrentrachtenmutter Helga Renner mit ihrem Gitarrenspiel und lustigen Sprüchen.
Die Trachtengruppe Allensbach feiert ihr 60-jähriges Bestehen mit allen Interessierten am Freitag, 24. April, ab 18 Uhr im katholischen Pfarrheim. Auf dem Programm stehen Tanz und Mundart der Kindergruppen Allensbach und Alt-Radolfzell, Tanz der Trachtengruppe Alt-Radolfzell, die Präsentation von Allensbacher Trachtenporträts des Fotokünstlers Sebastian Wehrle sowie die Vereinsgeschichte in Texten und Bildern.
Aktuell seien allerdings keine Männer und Jungen unter den 13 Erwachsenen und acht Kindern der Gruppe, erklären Katrin Waidele-Wießner und Edwin Braun. Aber immerhin: „Wir haben die letzten Jahre ein paar junge Frauen mit Kindern begeistern können“, so die Vize-Vorsitzende. Wobei Braun anmerkt, dass aufgrund der Altersstruktur auch immer wieder Mitglieder ausscheiden. Er selbst trage keine Tracht – als einziger Vorsitzender einer Trachtengruppe in der Region Bodensee-Hegau. Auf jeden Fall suche man neue Mitglieder, gern auch Männer. Und man biete Leihtrachten für Neueinsteiger an.
Elfjährige Magdalena Wießner ist gern dabei
Immerhin schon neun Jahre dabei ist die heute elfjährige Magdalena Wießner. „Meine Mama war als Kind auch bei den Trachten“, sagt sie. Ihre Mutter Katrin Waidele-Wießner erklärt, dass die Familie zeitweise anderswo gewohnt habe. Nach ihrer Rückkehr seien erst ihre beiden Töchter, dann auch sie beigetreten. Die Töchter trügen jetzt ihre alten Kindertrachten, von der Uroma bestickt.
Magdalena sagt: „Es macht Spaß.“ Vor allem, dass die Kinder jetzt öfter tanzen könnten. Seit 2025 gebe es wieder eine Kooperation mit der Trachtengruppe Alt-Radolfzell, erklärt die Mutter, „wir bereichern uns gegenseitig.“ Seither gebe es eine große Kindergruppe, die wöchentlich Tanzproben habe. Die elfjährige Magdalena findet das „auch toll, weil es verschiedene Altersklassen sind. Man kann den Kleinen helfen oder die Großen was fragen, wenn man was nicht weiß“.
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