Artenschutz, Verkehr und Lärm: Noch viel Arbeit für die Planer des Neubaugebiets
Mit dem Neubaugebiet Lindenbühl-West will die Gemeinde Reichenau nun endlich schneller vorankommen. Doch es gibt noch etliche Fragen zu klären. Das hat sich bei der zunächst nötigen Änderung des übergeordneten Flächennutzungsplans (FNP) gezeigt. Denn im Zuge dieses Verfahrens haben vor allem Naturschützer, Anwohner und auch einige Behörden in Stellungnahmen kritische Themen wie Artenschutz, Verkehr und Lärm angesprochen.
Die Planer und die Verwaltung verweisen darauf, dass diese Fragen erst im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens zu klären seien. Das ist formal richtig. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Und den ersten Bebauungsplan will die Gemeinde nun im Winter 2026/27 auf den Weg bringen, erklärt der neue Bürgermeister Philipp Stolz auf Nachfrage. Bis dahin gibt es also noch einiges zu tun für die Planungsgruppe, die vor rund einem Jahr gebildet worden ist.
Außerdem muss der Gemeinderat noch über einige grundlegende Fragen entscheiden - zum Beispiel darüber, ob es im Neubaugebiet eine Kindertagesstätte geben soll, was der Planentwurf bisher vorsieht. Bürgermeister Stolz will darauf verzichten und stattdessen den Kindergarten in der Waldsiedlung erweitern.
Grundlage für das Neubaugebiet Lindenbühl-West ist der städtebauliche Entwurf des Planungsbüros Studio Stadtlandschaften und des Landschaftsplaners Stefan Fromm. An der Weiterentwicklung arbeitet eine Planungsgruppe. Dazu gehören neben dem Planungsbüro und der Verwaltung das Ingenieurbüro Raff sowie für Umweltfragen das Büro Faktor Grün. Die Steuerung des Projekts liegt bei der Fischer Immowert GmbH von Jörg Fischer und Matthias Weckbach. Das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans hat die Gemeinde abgeschlossen, der gemeinsame Verwaltungsausschuss von Konstanz, Allensbach und Reichenau muss dies noch bestätigen.
Wie viel Fläche wird fürs Wohnen zur Verfügung gestellt?
Das Neubaugebiet Lindenbühl-West wird zunächst einmal kleiner als eigentlich geplant. Das hatte sich ebenfalls bei der Änderung des FNP vor einem Jahr ergeben. Denn von den insgesamt 8,2 Hektar des Gebiets westlich des bestehenden Lindenbühls, zwischen Zentrum für Psychiatrie (ZfP) und Gemeindeverbindungsstraße, sind im aktuellen FNP nur gut vier Hektar als mögliche Wohnbaufläche vorgesehen.
Dem Regierungspräsidium (RP) ist eine so große Änderung im FNP zu umfangreich. Nach mehreren Abstimmungsgesprächen hat sich die Gemeinde mit dem RP darauf verständigt, dass die Wohnbaufläche im FNP zunächst nur auf knapp fünf Hektar erweitert werden kann. Das umfasst die bisher geplanten Bauabschnitte eins und zwei. Der dritte Bauabschnitt im Westen des Gebiets, der Bereich der ZfP-Gärtnerei, muss also zunächst zurückgestellt werden. Eine spätere Erweiterung soll aber Stand heute folgen.
Auch Boden und Tiere sollen mit bedacht werden
Im Rahmen des Bebauungsplans ist außerdem zu klären, was an naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen nötig ist. Bereits nach der ersten Offenlage des Entwurfs zur FNP-Änderung haben die Ortsgruppe des Bunds für Umwelt- und Naturschutz (BUND, auch im Namen des Landesverbands und des Naturschutzbundes Nabu) sowie die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts darauf hingewiesen, dass es vor allem artenschutzrechtliches Konfliktpotenzial gibt.
Der BUND meint, dass dies vor der Erstellung eines Bebauungsplans geklärt werden müsse. Diese Forderungen kamen nun auch nach der zweiten Offenlage des FNP-Entwurfs. Planerin Christin Herbst sagte dazu in der jünsten Gemeinderatssitzung: „Es wurden schon Artenschutzuntersuchungen durchgeführt.“ Und es sei sicher ein Gebiet, wo das Thema eine Rolle spiele. Doch Fachgutachter würden keine unüberwindbaren Belange sehen.
„Da wird man auf Bebauungsplanebene einige Maßnahmen umsetzen müssen“, so Christin Herbst. Das gilt möglicherweise auch für einige geschützte Flächen und generell für den geplanten Eingriff ins Schutzgut Boden, wie das Landratsamt bereits angemerkt hat. Eine detaillierte Eingriffs-/Ausgleichsbilanzierung werde folgen, so die Planer.
Bürgerinitiative Eichbühl befürchtet eine Zunahme des Verkehrs
Zum Thema Verkehr und Lärm hat sich die Bürgerinitiative Eichbühl (BI) schon kritisch geäußert. Die Anwohner befürchten, dass der Verkehr zur Erschließung des Neubaugebiets auf der ohnehin schon stark befahrenen Kindlebildstraße weiter zunehmen wird. Zudem wird Lärmschutz gefordert. „Ohne ein überzeugendes Verkehrskonzept ist Lindenbühl-West nicht vorstellbar“, schreibt die BI.
Beim Thema Verkehr sehen zudem das Straßenbauamt und die Straßenverkehrsbehörde noch Klärungsbedarf bei der Erschließung des Neubaugebiets. Bisher sind drei Zufahrten von der Gemeindeverbindungsstraße vorgesehen, das sehen die Behörden kritisch. Planerin Herbst sagte: „Es ist ein Verkehrsgutachten in Bearbeitung.“ Und auch die Lärmsituation werde noch im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens durch ein Gutachten geprüft.
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