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Werkstättle plant neue Attraktionen für Seepark

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18.03.2026

Der Seepark lockt jährlich zehntausende Besucher an, nicht zuletzt wegen der vielfältigen Freizeitangebote wie Wasserskianlage, Abenteuergolfanlage sowie die Fußball-Golfanlage, die beide vom gemeinnützigen Beschäftigungsträger „Werkstättle“ betrieben werden. Die Anlagen bieten den Besuchern viel Spaß und einem Dutzend Menschen einen sicheren Arbeitsplatz. Im vergangenen Jahr wurde die Fußball-Golfanlage durch einen „Fußball Fun Park“ erweitert, finanziell gefördert durch das EU-Entwicklungsprogramm „Leader“.

Die Mitarbeiter des Diakonischen Werks Überlingen-Stockach Rüdiger Semet und Anita König gründeten 1982 in Pfullendorf einen Kontakt und Freizeitclub (Club Backhäusle) für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Aufgrund ihrer Erfahrungen entstand die Idee, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für chronisch psychisch Kranke zu schaffen. Die Gründung fand am 1. Juni 1988 in Trägerschaft der ev. Kirchengemeinde Pfullendorf statt. Die große Herausforderung zeichnete sich 1992 ab, als klar wurde, dass das Fabrikgebäude abgerissen wird. Als einzige Lösung kam ein Neubau in Betracht. Am 22. Oktober 1993 wurde ein eigenständiger Verein gegründet, der Werkstättle e.V. und seit 1995 ist das Werkstättle mit einem eigenen Neubau im Gewerbegebiet „Goldäcker“ ansässig. Im August 2011 wurden die Bereiche Abenteuergolf, Fußballgolf und Grüngruppe in eine gemeinnützige Werkstättle GmbH ausgegliedert. Zur Zeit beschäftigen der Werkstättle e.V. und die Werkstättle gGmbH rund 120 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Voll-, Teilzeit und im Zuverdienst sowie in Arbeitsgelegenheiten.

Auf dessen Unterstützung hofft Rüdiger Semet, Vorstandsvorsitzender des Werkstättle, für seine neueste Idee. Er will den Fun-Park vergrößern, und zwar um ein acht mal sieben Meter großes Kunstrasenfeld, in das zwei so genannte Prallwände errichtet werden. Das sind Kunststoffflächen, die so konzipiert sind, dass bei einem Schuss der Ball exakt zum Kicker zurückspringt. Eine Wand ist schräg aufgestellt, sodass der Ball in einem Bogen zurückkommt, und der Fußballer das Stoppen üben kann. Als weitere Attraktion ist ein aufblasbares Fußballdart geplant. Statt mit Wurfpfeilen werden dann Klettbälle genutzt, die auf der Dartfläche kleben bleiben. Die Kosten für die neuen Spielmöglichkeiten beziffert Semet auf rund 16.000 Euro und er hofft, dass sein Förderantrag von der Regionalentwicklung Mittleres Oberschwaben erneut positiv beschieden wird, und das Werkstättle wieder einen 80-prozentigen Zuschuss erhält.

Kugelbahnen als neue Attraktion

Und der kreative Werkstättle-Chef will den hinteren Teil des Seeparks attraktiver machen und so mehr Besucher für die Fußballgolf- und der Abenteuergolfanlage gewinnen, die im vergangenen Jahr einen Verlust gemacht hat. „5000 zusätzliche Besucher würden uns guttun“, sagt Semet, der mit einem neuen Angebot vor allem Familien mit Kindern ansprechen will. Dazu sollen entlang des rund 800 Meter langen Weges vom Eingangsbereich Parkplatz West bis zur Abenteuergolfanlage ein Dutzend stationäre Kugelbahnen gebaut werden. Im Kreis Sigmaringen gibt es noch keine Kugelbahnen, die üblicherweise dort angelegt werden, wo man ein natürliches Gefälle nutzen kann, und Kinder der rollenden Kugel folgen können. Im Seepark fehlt ein solches Gefälle, aber dieses Manko will Semet durch kreative und ausgefallene stationäre Anlagen ausgleichen. Dazu will er heimische Betriebe als Sponsoren gewinnen, deren Lehrlingsabteilungen eine Kugelbahn bauen, die dann unter dem Namen der Firma aufgestellt werden. Seitens der Stadt hofft der umtriebige Macher, dass die Kommune das nötige Holz für die Bahnen spendiert. Klar ist, dass das Werkstättle die Pflege der Bahnen übernehmen kann, aber kein Geld ausgeben kann. Im April stellt Semet dem zuständigen Gemeinderatsausschuss die Pläne vor und hofft auf dessen wohlwollende Zustimmung.

Werkstättle kann fast keine Arbeitsgelegenheiten mehr anbieten

Die beiden Anlagen im Seepark müssen sich wirtschaftlich selbst tragen, denn außer gelegentlichen Spenden, gibt es keine finanzielle Förderung. Das war zum Start des Werkstättles vor drei Jahrzehnten anders. Damals startete die evangelische Kirchengemeinde das Projekt, um Langzeitarbeitslosen einen Arbeitsplatz zu bieten, verbunden mit der Hoffnung, diese später wieder in den regulären Arbeitsmarkt vermitteln zu können. „Wir hatten 2012 damals 60 vom Arbeitsamt geförderte sogenannte Arbeitsgelegenheiten (AGH). Heute sind es noch vier“, verdeutlicht Rüdiger Semet die völlig veränderte Arbeitsmarktstrategie von Bund und Land. Zuletzt hatte das Werkstättle zwei große AGH-Projekte, und zwar das Projekt „Bürgerhilfe“, und ein Dutzend Menschen waren beim Meßkircher Campus Galli im Einsatz. Beide Projekte mussten Ende 2022 mittlerweile mangels Förderung eingestellt werden.

Siegfried Volk Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

88630 Pfullendorf Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

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